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#34 |
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schwarz & weiß im wechsel
Registriert seit: 19.09.2006
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AW: Song: TRAUER aus dem Album:
"Ende Februar 2003 war dann plötzlich ein Grönemeyer-Song im Radio zu hören, der nicht auf "Mensch" zu finden ist. Ein unendlich trauriges, langsames Lied voll magischer Demut und vieleicht auch ein wenig Hoffnung. Das Lied hieß "Trauer", wurde unverkennbar von Grönemeyer gesungen - der Text stammt aber nicht von ihm, obwohl der Titel es nahe legte, sondern von der 1942 im KZ ermordeten Selma Meerbaum-Eislinger, und die Musik hatte die Schweizer Weltmusik-Band The World Quintett komponiert. Für "Trauer" trat Grönemeyer zum ersten Mal als Gastsänger einer anderen Band ans Mikrofon - obwohl es anfangs gar nicht danach ausgesehen hatte. World-Quintett-Drummer David Klein berichtet, wie es zu der Zusammenarbeit kam: "Ich habe keine Grönemeyer-CDs zu Hause: Ich bin kein klassicher Fan. Aber ich habe immer wieder bei einzelnen Sätzen aufgehorch, wenn seine Songs im Radio oder Fernsehen liefen. Seine Stimme hat mich berührt: Sie ist authentisch, und er klingt sehr integer.(...) Ich konnte mir intuitiv für "Trauer" nur ihn als Sänger vorstellen. Also habe ich im Mayfair-Studio angerufen und hatte Alex Silva am Telefon, den Produzenten. Es ging ein paar mal hin und her.(...) Damals war allerdings noch keine Rede von "Mensch", es herrschte völlige Stille. Da war überhaupt kein kommerzielles Kalkül dahinter. In meinen Augen war er einfach derjenige, der den Text mit der nötigen Ernsthaftigkeit rüberbringen konnte. Es ist ja ein Text aus den vierziger Jahren, das kann auch schnell peinlich werden. Aber Alex meinte: "Das kannst du vergessen." Ich hätte doch wohl auch nicht im Ernst geglaubt, dass Grönemeyer auf unserer Platte singt? Aber das hatte ich. Doch dann kam zwei Stunden später eine Mail von Rene Renner: Sie hätten sich unsere CDs angehört und seinen total begeistert; Grönemeyer wolle mit uns zusammenarbeiten.(...)
Er ist dann im März oder August 2002, das weiß ich nicht mehr so genau, zu uns nach Zürich gekommen und hat gesungen.(...) "Trauer" ist ein sehr ruhiges, zartes Stück,in dem Grönemeyers Stimme ungewohnt behutsam klingt. Diese Aufnahme widerlegt endgültig alle Gerüchte, Grönemeyer könne nicht singen, sei nur ein "Grölemeyer". Das sieht auch Klein so: "Trauer ist ein harmonisch und melodisch sehr schwieriger Song. Und der Herbert kann wahnsinnig gut singen.(...) Er war wahnsinnig gut vorbereitet, als er nach Zürich kam. Damit war nicht unbedingt zu rechnen, er hätte ja auch sagen können, dass er keine Zeit gehabt hatte. Aber er hatte die Melodie total im Griff. Er hat Respekt gehabt vor dem Stück. Er ist das Lied ein paarmal mit dem Pianisten durchgegangen, dann hat er darum gebeten, dass im Studio das LIcht ausgemacht wird, es blieb nur ein einziger Spot für ihn an, und dann hat er einfach gesungen. Wir haben Gänsehaut bekommen davon! Er hat sich so zurückgenommen, er hat sich hinter den Text gestellt, in den Dienst des Textes, wie es alle großen Musiker machen. Da war überhaupt keine Selbstdarstellung.(...) er singt dieses Stück ganz anders als seine Songs. Viel verletztlicher, sehr frei über den Harmonien und Takten.(...) Die Aufnahmen dauerten nur einen halben Tag. Er hat sich den Song wirklich zu eigen gemacht. Die Melodie geht von ganz unten bis sehr hoch rauf. Er hat einen enormen Stimmumfang. Viele andere Sänger müssten vor so einem Stück erst maleine Milch mit Honig trinken - und er singt's einfach." Quelle: Ulrich Hoffman, Grönemeyer Biografie
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...hab dich, bin reich... |
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