Alt 10.04.2007, 12:42   #1
AlexDe
Neuer Benutzer
 
Registriert seit: 04.04.2007
Ort: Wedel
Beiträge: 16
AlexDe ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
AW: Gedanken rund um Gott, Religion und "Stück vom Himmel"

...so, wie gehabt, hier geht's weiter, weil die Textkapazität pro Beitrag leider begrenzt ist...

Zitat:
Zitat von david
Noch ungerechter ist es, den Kirchen von heute Schuld zu geben am Irakkrieg oder anderen religiös motivierten Kriegen. Ich gehöre nicht zu den ältesten Semestern und habe noch nicht so viel Kirchengeschichte miterlebt, aber wie oft sich auf Kanzeln evangelischer(in katholischen Gottesdiensten war ich zu der Zeit und insgesamt selten) Kirchen von der Politik und den Kriegen eines religioiden Präsidenten im weißen Haus distanziert wurde, dürfte ,abgesehen von der bekennenden Kirche, die im Nationalsozialismus (auch aktiv) Widerstand leistete, herausragenden Charakter haben.
Es dürfte dem Weißen Haus aber doch weniger um Religion, und viel mehr um Geld und Öl gegangen sein!? Im übrigen geb ich dir recht. Heute haben die Kirchen keine Schuld mehr. Meine These war jedoch, dass die Kirchen die Voraussetzung für Krieg schafften als sie die Losung verbreiteten, wer ungläubig ist, werde verdammt. Der Grund ist einfach: so sind alle Menschen verdammt, denn niemand gehört allen westlichen Religionen an.

Zitat:
Zitat von david
Ebenso ist es unfair zu behaupten, die unglaublich reichen Kirchen (wie schonmal gesagt, das ist auch nur relativ zu sehen) kümmerten sich in Wort (=Predigt und Verkündigung) und Tat überhaupt nicht oder nur um Profit zu schlagen um soziale Ungerechtigkeit im nationalen und globalen Kontext! Diese absolut haltlose Kritik zeugt meiner Meinung nach eindeutig von mangelnder Auseinandersetzung mit der kirchlichen Landschaft von heute!
Ok, das war deutlich. Dass dies „absolut haltlose Kritik“ sei, ist aber m.E. ebenso überzeichnet, wie von „unglaublich reichen Kirchen“ zu sprechen. Mir geht es um ein Missverhältnis in der Außendarstellung. Die Kirchen sind mit Gold und Silber geschmückt... die Kirchenfunktionäre reisen erster Klasse...und gern im Flieger, statt mit der Bahn zu fahren... in die Gottesdienste kommen überwiegend alte/arme Menschen, von den Hungersnöten der dritten Welt ganz zu schweigen. Die Buddhistischen Mönche haben bspw. gar nichts. Sie leben von dem, was die Bevölkerung ihnen gibt. Die Priester und Pastoren hier bekommen ein Gehalt (nach Besoldungsgruppe A13 BBesO).

Als mein Bruder Konfirmation hatte, meinte der Pastor diejenigen anprangern zu müssen, Zitat: „die aus purem Geiz aus der Kirche austreten“, und er hat diesen Satz gebrüllt. Ich war kurz davor angesichts dieser Anmaßung (immerhin haben wir Religions- und Meinungsfreiheit) die Veranstaltung zu verlassen, habe es aus Respekt meinem Bruder gegenüber aber nicht getan...und ich habe mich auch beim „Klingelbeutel“ nicht verweigert.
Fakt bleibt, dass nahezu alle Kirchengemeinden für eigene Bauprojekte Geld (Kirchgeld) einsammeln, damit die Ortskirche wieder eine schöne Fassade o.ä. bekommt.

Mein Standpunkt ist – abgeleitet aus den Worten Jesu – dass es auf der Welt zuviel Not gibt, als dass schöne Bauten für eine Kirche Priorität haben könnten.

Jesus verlangte, den Armen zu geben und ihnen zu helfen und er lehnte Reichtum schlicht ab, ja er bezweifelte gar, dass „ein Reicher in das Reich Gottes komme“ (Mk 10,17-31; Lk 18,18-30).
AlexDe ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.04.2007, 14:42   #2
david
Benutzer
 
Registriert seit: 14.02.2003
Beiträge: 87
david befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
AW: Gedanken rund um Gott, Religion und "Stück vom Himmel"

Das "absolut haltlos" bezog sich auf deine Akzentuierung, die Kirche ignoriere und tue überhaupt nichts gegen Armut, Krankheit und soziale Ungerechtigkeit. Denn das tut sie sehr wohl(Um Schlagworte zu nennen: Brot für die Welt, KinderNotHilfe, Caritas, Diakonie, uvm) Dennoch musst du auch einräumen, dass die Kirche nach wie vor eine religiöse, also geistliche Einrichtung ist und ihre Einrichtungen dementsprechend gestalten will/muss. Dass es da wesentliche Unterschiede(Katholiken, Lutheraner, Reformierter) gibt, ist beaknnt, sogar Herbert(der ja hier göttlich Autorität hat, nicht wahr sassi ) hat bei Beckmann darüber gerdet. Wichtig und biblisch ist auch, dass Amtsträger der Kirche(die zunehmend auf Ehrenamtliche angewiesen ist, weil schlicht nicht genug Geld da ist, viele Pfarrstellen abgebaut werden müsen etc.) von ihrer Arbeit Leben können müssen. Ich kenne jedenfalls keinen Pfarrer, der es sich leisten kann, in Saus und Braus zu leben. Eine Aussage wie die des Pfarrers, den du zitierst, halte ich für haltlos, da jemand erst aus der Kirche austritt, wenn er sie nicht braucht/mit ihr nichts zu tun haben will. Das ist deutlich mehr als eine finanzielle Frage. Vielleicht hättest du dich hinterher bei ihm beschweren sollen^^

In Sachen Hans Küng(von dem gibt es auch viel über interreligiösen Dialog) teile ich deine Ansichten. Ich schließe mich dem guten Mann(aus dem genannten Buch habe ich nur einen Auszug in den "Philosophischen Denkanstößen 2007" gelesen)aucch darin an, dass Glaube und Wissenschaft keine sich ausschließenden Weltbilder voraussetzen. Deswegen ist es auch nichts unaufgeklärtes, zu glauben(weiter unten mehr dazu).

In Sachen Evangelien kann ich nur nochmal darauf hinweisen, dass das Christentum die Religion ist, die glaubt, dass Jesus der Christus ist und sich somit auf dementsprechende Texte wie die 3 synoptischen und das Johannes-Evangelium bezieht und diese als verbindlich ansieht. Dass tun übrigens alle Christen, egal ob orthodox, katholisch, lutherisch, reformiert, freikirchlich, baptistisch, methodistisch, mennonitisch undundund.
Keins der Evangelien - und an und für sich kein Bibeltext ist aber verfasst worden, um in einer absolut stimmigen Schrift zu erscheinen. Deswegen kann man nicht sagen, die Autoren hätten unkoordiniert im fehlerhaften Sinne gearbeitet. Sie hatten nicht die Absicht vier gleiche Evangelien zu produzieren und dementsprechend gibt es viele Unterschiede. Dennoch können sie im Glauben(im Falle des NT an Jesus als den Christus) geschrieben haben, weshalb die Texte eine geistliche Inspiration haben. Das ist etwas anderes als Verbalinspiration. Die Meinungen er verschiedenen Kirchen und Freikirchen hierüber ist in der Tat einer der Hauptgründe für Spaltung. Die Zweiquellentheorie ist in der aktuellen Bibelwissenschaft nach meinem Kenntnisstand nach wie vor das Modell, dass am meisten erklärt, aber wie das mit wissenschaftlichen Theorien so ist, unterliegen sie der ständigen Prüfung weiterentwicklung und notfalls kommt es zum Paradigmenwechsel.
Deine Haltung, der aufgeklärte Mensch müsste den Glauben an so etwas wie unterschiedliche Evangelien generell ablehnen, teile ich nicht. Als aufgeklärter Mensch bin ich mir auch darüber im Klaren, nicht alles verstehen zu können, aber meine Lebensführung und -haltung mit meinem Verstand begründen zu können. Das ist übrigens auch schon wieder biblisch(1.Petrus 3,15). Ein aufgeklärter Mensch wird die Existenz und das Sein Gottes oder eines anderen höheren Wesens weder beweisen noch ausschließen können, außer für sich persönlich. Ergo Aufklärung fordert religiöse Toleranz. Den Begriff der selbstverantwortlichen Religionsfreiheit findest du aber schon im AT vom Schöpfungsbericht an. Sowohl hier als auch im Sinne von Aufklärung und z.B unserem Grundgesetz ist Religionsfreiheit etwas anderes als Freiheit von Religion. Zu Religions- und Meinungsfreiheit gehört dann auch die Versammlungsfreiheit und es gibt kaum Religonen, die man ohne Gemeinschaft praktizieren kann. Wieder ist es die Vermischung mit Macht, welche zu den Grausamkeiten der abendländischen Geschichte nach 380 führt.
__________________
Werde, wer ich bin. Gute Fahrt
david ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort


Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen erlaubt, Anhänge anzufügen.
Es ist Ihnen erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

vB Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.
Gehe zu



Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 13:58 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.7.1 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2026, Jelsoft Enterprises Ltd.