14.08.2005, 21:25
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#363
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Ich bin privat hier.
Registriert seit: 19.02.2003
Beiträge: 3.699
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AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
Mein Chef hat mich mal ausgezankt
aus irgendeinem Grund
der war immer so ein schlechtgelaunter Besen.
Da wünschte ich, er wäre tot
und nachts hab ich's geträumt
und am nächsten Tage
ist er tot gewesen.
Mein Mann, das war ein Schlappschwanz
(Sie wissen, was das heißt,
wer was Ähnliches zu Haus hat,
ist im Klaren.)
Da träumte ich von seinem Tod
und eine Woche drauf
hat ein Riesen-LKW ihn überfahren.
Also geben Sie acht
also geben Sie acht
also geben Sie acht
und bringen Sie mich nicht zum Schäumen.
Sie sind bis jetzt ein feiner Mann
doch wenn ich Sie nicht leiden kann
dann brauch ich bloß von Ihrem Tod zu träumen.
Also geben Sie acht
also geben Sie acht
also geben Sie acht
Sie rennen sonst in Ihr Verderben.
Und seien Sie mal ein bißchen nett
sonst geh ich gleich nach Haus zu Bett
und sprech das nächste Mal mit Ihren Erben!
Meine Hausfrau wollt' den Zins erhöhen
aus reiner Wucherei
na, da dacht ich mir, warum soll die das haben?
Und träumte eine Nacht von ihr
(das kostete mich nichts) -
eine Woche später haben wir sie begraben.
Dann hatte ich eine Freundin,
die noch hübscher war als ich
na, da setzte ich mich abermals in Trab.
Im Traum dachte ich mich noch:
die Frau vermiß ich nie!
Naja, jetzt geht sie mir doch ein bißchen ab.
Also geben Sie acht
also geben Sie acht
also geben Sie acht
Sie scheinen noch ein wenig munter.
Ich hab zwar jetzt schon disponiert
und meine Träume reserviert
doch irgendwo bring ich Sie schon noch unter!
Also geben Sie acht
also geben Sie acht
also geben Sie acht
wenn ich das Schlafengehen erwähne.
Sie sind zwar jetzt noch ziemlich kess
und lachen mich wohl aus, indes
Sie werden schon noch höflich,
wenn ich gähne!
Nur eines macht mir Sorgen:
ich war gestern abend aus
(das erzähl ich Ihnen rasch,
bevor wir scheiden).
In der Bar, da war ein Spiegel
und darin sah ich mein Bild
und mit einem Male konnt' ich mich nicht leiden.
Ich sah ekelhaft und häßlich aus
und dachte plötzlich auch
an die Menschen, deren Tod ich schon geträumt hab.
Was geschieht, wenn ich von mir jetzt träum?
Ich krieg da einen Schreck,
wo ich doch in meinem Leben soviel versäumt hab.
Also geb ich jetzt acht
also geb ich jetzt acht
also geb ich jetzt acht
und geh um keinen Preis mehr schlafen.
Ich nehm seit gestern Aufputschpillen
ich will mich doch um Gottes Willen
nicht selbst durch meine Träume noch bestrafen.
Also geb ich jetzt acht
also geb ich jetzt acht
also geb ich jetzt acht
und bleib auf keinen Fall allein.
Weil ich doch nichts zu hoffen hab
wenn ich die Augen nicht offen hab
ich habe ja auch gestern nacht
nicht anders hinter mich gebracht -
ich weiß, es ist sehr ungesund,
doch besser, als ich schweige und schlaf ein ... und schlaf ein ... und schlaf ein ... und schlaf ein ... und schlaf ein ... NEIN!
(Georg Kreisler) 
__________________
Es handelt vom Bleiben und vom Gehen.
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