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Alt 20.09.2004, 20:17   #59
neue.welt
Querulant
 
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neue.welt ist jedem bekanntneue.welt ist jedem bekanntneue.welt ist jedem bekanntneue.welt ist jedem bekanntneue.welt ist jedem bekanntneue.welt ist jedem bekannt
AW: Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg

Zitat:
Zitat von TroyMcClure
Ich will nicht vom eigentlichen Thema abkommen, aber eine Frage stellt sich mir doch: Was ist an Hartz IV-Protesten gut ?
Irgendwas muß nunmal getan werden, um die derzeitige Situation in Deutschland zu verbessern. Wenn wir hier so weitermachen wie bisher, dann fahren wir sprichwörtlich den Karren irgendwann an die Wand. Und auch wenn die Hartz-Gesetze (insbesondere Hartz IV) auf großen Unmut in der Bevölkerung stoßen, so finde ich es gut von der jetzigen Regierung, daß sie ihren Weg durchzieht und sich nicht beirren läßt. Dann käme es wiederum zu etlichen Verzögerungen in der Sanierung des Sozialstaats, und man dürfte die Agenda 2010 (schon dieser Name ist "fragwürdig") getrost in "Agenda irgendwann in der Zukunft" umbenennen
Ich denke, ich möchte an dieser Stelle mal etwas zur Agenda 2010 sagen:

Einig sind wir alle uns wohl darin, daß, wie das, ich glaube Roman Herzog hat es gesagt, ein Ruck durch dieses Land gehen muß, daß etwas passieren muß!

Allerdings halte ich die Agenda 2010 in vielen Punkten schlicht und ergreifend dür falsch und ungerecht.

Die Hartzgesetze haben in meinen Augen mehrere Fehler:
Auf die Politik bezogen finde ich, bekämpfen diese Gesetze die Wirkung und mal wieder nicht die Ursache. Bekämpft werden Arbeitslose, nicht aber die Arbeitslosigkeit. Nur einmal zwei Beispiele:

- Es drohen jedem "jungen" Arbeitslosen, der eine angebotene Arbeitsstelle ausschlägt, Einbußen bei der Hilfe. Okay.Es wird gesichert, daß eine schnelle Vermittlung stattfindet und "Drückebergern" an die Substanz gegangen wird, aber wird damit auch nur eine von fast fünf Millionen fehlenden Arbeitsplätzen geschaffen? Ich denke, bei dieser Zahl an fehlenden Stellen muß man froh sein, daß es einen gewissen Anteil an Arbeitslosen gibt, die gut mit ihrer Situation klarkommen. und solange die nicht nebenher schwarz jobben, halte ich das für okay. Bei einer Vollbeschäftigungssituation, da kann eine solche Maßnahme sinnvoll sein, aber davon sind wir weit entfernt.

- Das Zusammenlegen von Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Ich bin zwar nicht im Bilde, wie groß, aber daß Einbußen für die betroffenen zu erwarten sind, ist sonnenklar. Wieso wird hier an derjenigen Geldbörse gegangen, die sowieso schon ziemlich unten sind. Wieso müssen Menschen, die sich mühsam Rücklagen erarbeitet haben beim gar nicht mal so unwahrscheinlichen Eintreten von Langzeitarbeitslosigkeit das Bißchen, was sie auf die hohe Kante legen konnten, für sich oder die Kinder, abtreten, während es Leute gibt, die so gut verdienen, daß sie ein kleines Dorf voller Arbeitsloser freihalten könnten? Wieso schmeißt die Politik an manchen Enden das Geld mit vollen Händen aus, wieso werden laufend die Diäten erhöht? Das ist asozial und selbstgerecht!

Viel mehr sollte man die Wirtschaft zur Verantwortung ziehen. Klar machen, daß Marktwirtschaft vom Geldkreislauf lebt, und, daß die Wirtschaft selbst von den Geldern lebt, die sie Arbeitnehmern durch Löhne und Gehälter zur Verfügung stellt. Die Arroganz der Wirtschaft stinkt zum Himmel. Einerseits nicht ausbilden wollen, aber andererseits sich über fehlende Fachkräfte zu beklagen und die Einführung von Greencards fordern. Leider traut sich die Politik da nicht ran. Kann sie auch nicht, weil wir in einer globalisierten Welt leben und die Wirtschaft abwandern kann, wenn es "unbequem" wird.

Ich selbst arbeite bei einem Dienstleister von VW. Ich habe regelmäßig Kontakt mit Leuten, die unter Hartz als VW Mitarbeiter leiden müssen. Die Zulieferer und Dienstleister werden von VW derart geknechtet, daß dort nur noch bloßes Geldwechseln angesagt ist (bis auf wenige Ausnahmen). Der Druck wird letzten Endes an die Arbeitnehmer der, ich nenn sie mal Folgeindustrie, weitergegeben, was dazu führt, daß gratis Überstunden in Massen und Derartiges das Arbeitsleben unrentabel und mehr und mehr zur Hölle machen. In meinen Augen hatte Hartz ganz unpolitische Ziele: den Druck auf Arbeitnehmer zu verstärken um noch mehr schröpfen zu können und in Folge an der Preisschraube für die "Folgeindustrie" weiter drehen zu können.

Ich sag nur Ausbau der A39 Richtung Hamburg. Völlig überflüssig, da im Großraum die A7 fast parallel verlaufen würde. Aber VW will es, droht mit der Standortverlagerung, weg von Wolfsburg, und siehe da, es ist ein politisches Thema.

Wir sind auf dem besten Wege zu einer Wirtschaftsdiktatur, so denke ich.
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Bin nur für DICH geblieben - für nichts und wieder DICH


Ich bin keine Schönheit
und total verbaut
aber grade das macht mich aus



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