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Alt Gestern, 03:17   #70
JJ
Darum öffnet Eure Pforten
 
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JJ ist ein wunderbarer AnblickJJ ist ein wunderbarer AnblickJJ ist ein wunderbarer AnblickJJ ist ein wunderbarer AnblickJJ ist ein wunderbarer AnblickJJ ist ein wunderbarer AnblickJJ ist ein wunderbarer Anblick
AW: „mittendrin“-akustisch Tour 2026

Jetzt ist eine gute Gelegenheit, um die noch frischen Eindrücke aus Dortmund aufzuschreiben und ein (möglicherweise voreiliges) Komplett-Fazit über die Mittendrin-Akustisch-Tour und die gesamte Das ist los-Ära zu ziehen.

Zur Hin- und Rückfahrt will ich mich nicht weiter auslassen, da kann schließlich das Konzert selber nichts dafür, aber ich würde es in Zukunft sehr begrüßen, wenn es nicht allzuoft vorkommt, dass orts- und zeitgleich eine noch viel größere Veranstaltung stattfindet. Ich empfand es schon als leichte Zumutung, am 12.2. über Düsseldorf, Köln und Mainz nach Mannheim fahren zu müssen (an sich ist nichts schlimmes dabei, aber an dem Tag hatten auffällig viele seltsam kostümierte stinkbesoffene Vollidioten fälschlicherweise den Eindruck, ich möchte mich von ihnen belästigen lassen), aber die bereits am Hauptbahnhof stattfindende Fahrgäste-in-ihre-Schranken-Weisung und das unberechtigte mich-in-einen-Topf-mit-irgendwelchen-Hooligans-Gewerfe, mmh, das lässt sich doch sicher anders planen und zur Not kann man so ein Fußballspiel ja auch mal ausfallen lassen, wenn zeitgleich etwas Wichtiges ansteht.

Freundlicherweise gibt es in der Westfalenhalle eine gut sichtbare Uhr, sodass ich die Zeit etwas im Blick haben konnte, und mit Sorge musste ich feststellen, dass der ganze Tross sich erst gegen 20:14 Richtung Bühne bewegte.

Herr Grönemeyer hat bei Bochum noch etwas mehr Zeit am Flügel verbracht als zuletzt, dieses Mal bis zum 1. Refrain. Alfred stand schon bereit, hatte wohl den Eindruck, er wird doch nicht gebraucht und machte sich auf, umzukehren, als es hieß: "Alfred, bleib hier!" und es fand die Übergabe statt. Ich fand diesen Kniff albern, sowohl der eine als auch der andere hätte es komplett durchspielen können, ging letztes Jahr schließlich auch, aber ganz generell möchte ich mal lobend hervorheben, dass so ein riesiger Flügel optisch ordentlich was hermacht, ganz besonders von der Seite betrachtet, wenn Alfred dran sitzt, für den so ein einzelnes elektrisches Keyboard vielleicht ziemlich unterfordernd ist und der mit dem Akkordeon immer mehr zu kämpfen scheint (war das vielleicht einer der ausschlaggebenden Gründe, warum Deine Hand getilgt wurde?); ich denke, auf der nächsten normalen Tour wird wieder der übliche Anblick vorherrschen mit Grönemeyer-Keyboard in der Mitte, Alfred-Rainer-Keyboard-Bereich hinten in der Ecke und ausklappbarem Laufstegklavierchen.

Fall der Fälle wurde wie üblich sehr ausführlich angesagt, aber dieses Mal klang es aus und Herr Grönemeyer und der Chor (und das Publikum) sangen es einfach noch ein Stück weiter, so dass die Band kurzerhand einfach wieder miteinstieg und das Lied so vielleicht etwa eine Minute verlängert wurde. Bei dieser Gelegenheit bietet es sich an, zu fragen, so in Bezug auf sich selber und die Signale überprüfen, ob das Gehirn noch richtig verlötet ist: Hat eigentlich jemand schon mal aus Versehen auf Youtube oder sonstwo irgensoein Propaganda-Video à la "AfD verklagt Grönemeyer" oder "Grönemeyer nach heftigem Streit aus Markus Lanz Show geworfen" oder "Grönemeyer-Ekalt [so steht das da] - das hat er sofort bereut" angeklickt? Ich gehe davon aus, dass die meisten hier noch richtig genug verlötet sind, um zumindest diesem Scheißdreck gezielt aus dem Weg zu gehen und ich denke auch, dass niemand es irgendwann mal miterleben wird, dass bei einer Ansage zu einem Lied wie Fall der Fälle oder Die Härte Buh-Rufe laut werden - aus dem einfachen Grund, weil solche potentiellen Buh-Rufer kein Konzert eines Klassenfeindes besuchen würden (leider halte ich es für nicht völlig ausgeschlossen, dass in vielleicht 10 bis 15 Jahren die politischen Verhältnisse derart ausgeartet sein werden, dass Grönemeyer-Konzerte dann vielleicht mancherorts verboten sind).

Danach wurde angesetzt, Turmhoch anzusagen, aber es wurde zunächst eine Anekdote erzählt, die ich bisher noch nicht gehört hatte: Kürzlich in Berlin sprach ihn eine Verkäuferin in einem Supermarkt an: "Wissen Sie was? Sie sehen so aus wie der Grönemeyer!" 10 Minuten später dieselbe Verkäuferin: "Wissen Sie was? Sie sehen so aus wie der Grönemeyer!" Weitere 10 Minuten später noch mal dieselbe Verkäuferin: "Wissen Sie was? Sie sehen so aus wie der Grönemeyer! Aber Sie sehen viel besser aus als der Grönemeyer!"

Danach dann Demo und etwas von der bei Fall der Fälle mehr aufgewendeten Zeit wurde wieder reingeholt, indem hier der Refrain wohl einmal weniger wiederholt wurde, was mir vielleicht gar nicht aufgefallen wäre, wenn es nicht mitgeteilt worden wäre (verbunden mit der Ankündigung, diesen einen Refrain am Ende des Konzerts nachzuholen), und ich bin nicht ganz sicher, aber ich meine, es wurde schnell aufgeklärt, dass Alfred der Hauptverantwortliche dafür war (gut so, besser noch: Das Lied auf der nächsten Tour komplett weglassen!).

Zeit, dass sich was dreht nahm seinen gewohnten Gang und war irgendwann vorbei, wurde aber vom Publikum weiter gesungen und wie auch in Hamburg war es wieder Armin, der als erster nachlegte, direkt gefolgt von Mark, Jakob stimmte auch alsbald mit ein. Alfred war schon ein Stück auf der Bühne gewandert, testete sein elektrisches Keyboard an, hörte dort nichts und machte am Klavier weiter und mittlerweile ließen sich sogar die Bläser auf die schön langsame, aber kraftvolle Verlängerung ein. Stephan hatte seine Gitarre wieder frühzeitig abgegeben, aber auch er improvisierte, ich bin aber nicht ganz sicher, womit, weil ich nur seinen Kopf hinter Mark sah, aber nicht, was er machte: Entweder hat er sich bei ihm wieder einen Shaker geschnappt oder (und danach sah es für mich eher aus, aber ich bin nicht absolut sicher), er spielte an Alfreds elektrischem Keyboard mit.

Durch den späten Beginn, die Verlängerungen und eine etwas längere Pause nach Morgen wurde die Zeit knapp und Immerfort endete ziemlich genau gegen 22:59, vielleicht auch um Punkt 11 und so fürchtete ich, dass nicht einmal der aktuelle Minimalstandard zur Gänze gespielt wird, aber auf Wunsch von 3 Damen in der 1. Reihe, die früher am Abend ein Bild hatten hochreichen lassen von einem braunen länglichen Etwas (ich hatte es tatsächlich dann nicht auf Anhieb geschnallt, weil ich offenbar kein Bewusstsein mehr dafür habe (und noch weniger Verständnis), dass es Leute gibt, die Ressourcen investieren, um Currywurst zu hören - ich habe gerüchteweise gehört, 2012 soll das Ganze mit Kinder an die Macht ganz gut geklappt haben, da sollte mit etwas Phantasie doch einiges mehr möglich sein, wie wäre es zur Abwechslung mal mit einer frenetischen Einforderung von Kino?) gab es dann tatsächlich die 1. Sonderzugabe in diesem Jahr, der dann Der Mond ist aufgegangen folgte und es war tatsächlich bis ca. 10 nach 11 überzogen worden.

Zu Wien, wo ich nicht dabei war: Den Kniff, Tau ganz am Schluss noch zu spielen, finde ich einen genialen Kompromiss, weil es so tatsächlich zu einer ultimativen Superzugabe gekommen ist, mit der kaum jemand ernsthaft gerechnet haben dürfte, die aber auf der anderen Seite kein Grund für mich ist, mich maßlos ärgern zu müssen, dass ich nicht dabei war. Ich bin mir durchaus darüber im Klaren, in Dortmund manche Lieder sehr wahrscheinlich zum letzten Mal in meinem Leben gehört zu haben (ich denke, Unfassbarer Grund, Dort und hier und Neuer Tag dürften Geschichte sein, Turmhoch, Fang mich an und Warum auch und bis ich mal wieder Unterwegs hören werde, werden vielleicht ein drittes Mal zwischen 12 und 13 Jahre vergehen), aber damit lässt es sich nach dieser phänomenalen Das ist los-Ära sehr, die neben einzelnen 37-Lieder-Konzerten, 40 Jahren Bochum, einem Orchester-Konzert mit Chaos und Sie (das ist schon eher ein Grund, mich zu ärgern, dass ich nicht dabei war, zum Glück habe ich die beiden Lieder von meinem 1. Konzert 2000 in Hannover immer noch besser in Erinnerung als einzelne Leute hier das, was letzte Woche gespielt wurde) und dieser phantastischen Akustik-Tour (die letztes Jahr noch einen Tick phantastischer war als dieses, aber dieses Jahr immer noch super) sehr gut leben. Kleines Funfact übrigens für die Hobby-Statistiker: Die Schiffsverkehr- und die Blick zurück-Tour haben es zusammen auf 68 verschiedene Lieder gebracht und die lange sehr abwechslungsreiche Das ist los-Ära im Alleingang bereits auf 65 - und ich bin nicht der einzige hier, der es im Vorfeld eher für unwahrscheinlich gehalten hätte, dass ganz Bochum, 7 Lieder von Mensch und jeweils 2 Lieder von Sprünge UND Schiffsverkehr darunter sind, aber kein einziges Mal Stück vom Himmel.

Der einzige negative Aspekt der Das ist los-Zeit und aller folgenden kam übrigens zuletzt am stärksten bei Unterwegs zum Vorschein: Frank Kirchner konnte nicht mehr dabei sein und ich finde, es hätte sich niemand einen abgebrochen, wenn es im Unplugged 2-Booklet an irgendeiner Stelle eine kleine Widmung oder einen letzten Dank an ihn gegeben hätte.
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Auch wenn Du mich verklagst
und Du schwörst, dass Du mich magst,
ist mir alles so egal
.

Ob Du fauchst oder ob Du beißt,
mich verwirrt nennst oder unreif,
Rache schwörst zum jüngsten Tag.

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