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Darum öffnet Eure Pforten
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AW: „mittendrin“-akustisch Tour 2026
Eine kleine Ergänzung des Allernötigsten für alle, die der Meinung sind, dass eine Setlist keinen Konzertbericht ersetzt (und dass diese Seite damit setlist.fm etwas voraushaben kann, wenn man sie nur lässt):
Obwohl die live gespielten Lieder genau dieselben wie auf dem 2. Konzert im Berliner Velodrom waren, haben alle, die pünktlich genug da waren, am Samstag dennoch ein Lied mehr hören können als letztes Jahr, in meinem Fall zufällig in derselben Stadt, in der ich es 2004 bei gleicher Gelegenheit erstmals überhaupt gehört habe: Das längst vergessene Everlasting war sehr spät Teil der Aufwärmmusik, wurde abrupt abgebrochen und es lief noch ein einziges anderes Stück, bevor das Konzert schließlich begann. Wäre es tatsächlich live gespielt worden, hätte es meinen Tipp Muskeln noch immens an Kühnheit übertroffen, aber leider gehört es zu der Sorte von Auftragshymnen, die es bisher ausschließlich aus der Konserve auf Konzerte geschafft haben...
...und ganz kurz, bevor der Chor die Bühne betrat, erahnte ich die erste nicht unwesentliche Änderung: Der 20-köpfige Chor und damit etwa die Hälfte aller Akteur:innen auf der Bühne war nicht derselbe wie letztes Jahr, es war sogar ein völlig anderer und nicht etwa 20 andere Mitglieder des Berliner Rundfunkchors, sondern das "Ensemble Grenzenlos", wie mehrfach am Abend betont wurde - und wenn ich mich nicht völlig verguckt habe, ist auch Shirina darunter, die 2014 beim Gratis-Dauernd jetzt-Veröffentlichungs-Konzert bei Feuerlicht und Zeit, dass sich was dreht mitsang sowie noch einmal Anfang 2015 bei "Offen und bunt in Dresden" zu sehen war und die möglicherweise schwanger ist (4. Monat aufwärts?) oder sehr punktuell zugelegt hat. 2014 übrigens saß ich im Nachbarstudio von Markus Lanz im einzigen Block des Publikums, in dem wegen eines Kameraarms das Aufstehen untersagt war, am Samstag in Hannover war Shirina es, die einmal den Kopf einziehen musste, um den Leinwandfilmer seine Arbeit machen zu lassen.
Nach Das ist los fand die obligatorische Begrüßung statt, dabei erwähnte Herr Grönemeyer auch, dass er die Halle vor 26 Jahren eröffnet hat (sympathisch, dass er zu Beginn meines 101. Konzertes mein allererstes am Rande erwähnt, nebenbei erwähnt hat der Eintritt damals 58,- DM gekostet, was in keinem Verhältnis zu den heutigen 120 € steht) und angeblich zur Abstimmung stand, dass sie inzwischen nach ihm benannt hätte werden sollen.
Einen kleinen Wechsel bei der Besetzung gibt es bei Bochum, wo er am Flügel das Steigerlied und "Tief im Westehen..." spielt und singt, dann aber kam Alfred herangeschlichen und sie tauschten den Platz auf dem Klavierhocker.
Direkt nach Bochum kam es zu einer Irritation bei Trompeter Tobias Weidinger, der offenbar genau zugehört hat, was sein Chef so ansagt, denn in der Ansage zu Deine Hand ging es um "uns", die "wir" als Gesellschaft gelernt haben, mit Migranten umzugehen (mag ja alles irgendwie zutreffen, aber ich konnte es noch nie haben, wenn es in diesem Zusammenhang "wir" heißt, daher die Anführungszeichen), blablabla, es wurde offenbar eher Doppelherz angesagt und so griff ein erschrockener Trompeter eilig zu seiner Trompete und wischte auf seinem Noten-Tablet eilig umher, um dann zu hören, dass doch Deine Hand ansteht und er zeigte seinem nebenstehenden Posaunisten seine Erleichterung, indem er mit der rechten Hand einen drastischen Herzschlag andeutete.
Bei Demo war Armin gedanklich eine Strophe weiter als die restliche Band und setzte schon nach dem ersten Refrain zum Trommelwirbeldreschen an ("Das Leben fließt rot in unsren Venen..."), ließ sich durch "Ich bin eine Deiner Farben" aber sofort wieder davon abbringen. Ich gehe davon aus, dass Mark Armins Voreile bemerkt und irgendwie rumgeflachst haben muss (neben den generellen Abstimmungsmöglichkeiten zwischen den beiden, vor allem natürlich beim Mambo, einer der elementaren Vorteile dieser Tour, dass sie sich mal gegenüber voneinander befinden), denn dieser pfefferte postwendend einen Stick quer über die Bühne, der irgendwo zwischen Marks Congas verschwand. Da ich bei diesem ziemlich abgedroschenen Lied die Gelegenheit nutzte, dem Trommlertreiben zu fröhnen, entging mir, was Herrn Grönemeyer am Klavier wiederfuhr, aber er schüttelte sich zum Ende des Liedes mehrfach die rechte Hand aus, vielleicht hatte er etwas zu stark ausgeholt und sich an den Tasten etwas wehgetan.
Während Neuer Tag gab es im Innenraum einen größeren Sanitätereinsatz, für dessen Vorbereitung sogar mindestens 4 Security-Leute sich zur Sicherung hinbemühten und eine der die riesige Treppe hinutereilenden Sanitäterinnen fiel selber kurz auf den Hintern, scheint aber keinen Schaden davongetragen zu haben.
Gegen 10 vor 11 war Immerfort gerade verklungen und ich hoffte, dass die erstaunlich großzügige Restzeit so sinnvoll wie möglich genutzt wird...es gibt zugegebenermaßen deutlich weniger sinnvolle Möglichkeiten, als Der Mond ist aufgegangen zu spielen (und während des Liedes den Chor noch einmal auf die Bühne zu rufen, der sich größtenteils sitzend niederließ und etwa ab Strophe 3 dem Gesang einen Uuuuuuuuuh-Teppich bereitete, ich halte es für nicht völlig ausgeschlossen, dass das zwischen den Konzerten perfektioniert wird), aber zeitlich wären noch eine oder 2 Kleinigkeiten wie Einmal nur in unserm Leben oder Moccaaugen möglich gewesen, das fand ich etwas schade, vor allem, weil er um 3 vor 11 von der Bühne ging.
Fazit: Eine zauberhafte Tour, die im September nur 2 Städte erreicht hat, kann sich ab jetzt eine richtige Tournee nennen und ich habe in derselben Halle wie vor 26 Jahren 100 Konzerte später wieder einen schönen Abend erleben dürfen, aber ein winziges kleines Bisschen Änderung, vor allem zum Exotischen hin, das hat mir gefehlt, und das hatte ich auch ehrlich erwartet...naja, 3 Chancen habe ich noch, die nächste morgen in Hamburg (das 102. Konzert in derselben Stadt, wo ich das 2. erlebt habe, noch so ein schöner Zufall), ich denke und hoffe, dass sich noch ein wenig ändert (ersatzlose Streichungen zählen nicht!).
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Auch wenn Du mich verklagst
und Du schwörst, dass Du mich magst,
ist mir alles so egal.
Ob Du fauchst oder ob Du beißt,
mich verwirrt nennst oder unreif,
Rache schwörst zum jüngsten Tag.
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