Mmh, das Jahr ist zwar noch nicht ganz vorbei, aber weil ich hoffe, dass nicht mehr sehr viel passieren wird, überlege ich mal, welche Lieder mich dieses Jahr beeindruckt, bewegt, was auch immer haben, aber ich glaube nicht, dass es genau 10 werden.
Als allererstes kommt mir "Stay on these roads" von a-ha in den Sinn:
Es geht weniger um das Lied oder die Band an sich, sondern mehr um die Botschaft, die dadurch vermittelt wird, dass die bekannteste Gruppe eines Landes, die sich über ein halbes Jahr zuvor aufgelöst hatte, nicht aus Profitgier oder Geltungssucht sich noch einmal auf der Bühne zusammenfindet, sondern um ihrer Nation in der schwersten Stunde beizustehen und den Rücken zu stärken. Das vergangene Jahr mag von einigen Schreckensmeldungen durchsetzt gewesen sein, aber mir persönlich nahegegangen sind vor allem die Anschläge in Norwegen, die nicht nur schrecklich und sinnlos waren wie alle Amokläufe, sondern zugleich auf äußerst grausame Weise deutlich machen, wozu ein einzelner Mensch fähig ist, der von seinem Hass angetrieben über Jahre unbehelligt darauf hin arbeitet, die Welt in wenigen Stunden aus den Fugen geraten zu lassen - in dem wahnhaften Glauben, sie damit zu retten. Ich finde es nicht übertrieben, vom mit Abstand schlimmsten, verheerendsten und menschenverachtendsten Verbrechen der letzten Jahre zu schreiben, das ein Einzelner im Alleingang geplant, vorbereitet und verübt hat, der hoffentlich seine gerechte Strafe erhalten wird und nie wieder freikommt. In ihrem vollen Umfang fällt es mir nachwievor schwer, die Geschehnisse zu begreifen, bzw. wenigstens zu erfassen, das wird für viele der mehr oder weniger direkt Betroffenen wahrscheinlich noch ein sehr langer Weg sein, das ganze zu verarbeiten, dabei hilft auch kein Lied dieser Welt - aber es kann den Menschen eine Stütze sein und Trost spenden in den schwersten Momenten und deshalb verneige ich mich vor a-ha für den pietätvollen Umgang mit der schlimmsten Tragödie, die die Welt in diesem Jahr ereilt hat.
Ansonsten habe ich mich dieses Jahr kaum großartig mit neuer und/oder alter Musik auseinandergesetzt, es kam zwar einiges hinzu, dem ich so vorher kaum Beachtung geschenkt habe, aber wirklich im Gedächtnis geblieben ist mir nur wenig.
Ein Lied allerdings, das höre ich zu gern, wenn es mal im Radio läuft, drehe ich sofort lauter, es kam zwar, was mein persönliches Timing betrifft, ein bisschen spät raus, aber es trifft ziemlich genau meine Stimmung, die dieses Jahr überwiegend beherrscht hat: Rosenstolz mit "Wir sind am Leben":
http://www.myvideo.de/watch/8247707/..._sind_am_Leben
Ich glaube nicht, dass es ein größeres System gibt, das dahintersteht, aber fast ungefähr zeitgleich mit der Zwangspause von Rosenstolz Anfang 2009 nahm auch mein Leben eine dramatische Wendung in eine fatale Richtung, und nun, 2011, sind die dunkelsten Stunden überwunden und es scheint nur noch bergauf zu gehen.
Das ist auch der Grund, warum ich zu den Liedern, die mich dieses Jahr am meisten bewegt haben, eine Eigenkreation zähle, und zwar ein im wahrsten Sinne des Wortes "bewegendes" Lied, es heißt "Zahnrad" und ich glaube, ich habe damit musikalisch das geschaffen, was aus meiner Feder maximal möglich ist, es gibt kein anderes (eigenes) Lied, das ich mit einer derartigen Leidenschaft und Hingabe spiele und singe (oft sogar beides zugleich) und das mich auf diese Art mit purem Glück erfüllt.
Und damit drängt sich auch schon die nächste Überleitung auf: Schon als im Februar die ersten Hörschnipsel von Schiffsverkehr (und Wäre ich einfach nur feige) zu hören waren, war nicht nur mir klar, dass da etwas ganz großes auf uns zukommt. Und die Vorabauskopplungen haben beiweitem nicht zu viel versprochen. Bis heute höre ich mir das Album fast täglich an, manchmal auch komplett. Bevor ich nun die Schiffsverkehr-Lieder hervorhebe, die für mich eine besondere Bedeutung haben, will ich ein uraltes Schmuckstück hervorheben: "So gut"
Die diesjährige Tour war fantastisch, perfekt in Szene gesetzt und für manche Überraschung gut, das wurde schon an anderer Stelle reichlich gelobt. Aber liedermäßig die allergrößte Überraschung war es für mich (und für viele andere sicherlich auch), als in Hamburg zuerst Lass es uns nicht regnen ins Programm aufgenommen wurde, dann noch Vollmond und Zur Nacht gespielt wurden und die meisten davon ausgegangen sind, dass ein wunderschönes 29-Lieder-Konzert zu Ende war (zumindest Norbert und Armin sind davon ausgegangen). Doch irgendwie, obwohl es schon deutlich nach 23 Uhr war, konnte man Herrn Grönemeyer ansehen, dass er noch nicht gehen wollte. Und so kam es, dass er sinngemäß sagte: "Wir spielen noch ein Lied, das ist von einer uralten Platte, die ist ungefähr exakt 30 Jahre alt, die hieß "Total egal", da hatte ich noch so eine Strähne im Gesicht". Außer 2008, als in Aalen "Energie" gespielt wurde, hat mir noch nie eine Zugabe so extrem den Boden unter den Füßen weggerissen - und ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass es nächstes Jahr noch mindestens einmal so weit sein kann.
Und auch hier bietet sich eine Überleitung an zurück zum Album Schiffsverkehr. Nachdem wir uns 1989 im Kindergarten kennenlernten, von 1994 bis 1999 dieselbe Schulklasse besuchten, sich unsere Wege Mitte 2000 trennten und wir uns 2004 etwa 5 mal sahen, habe ich dieses Jahr nach 7 Jahren meinen langjährigen besten Freund wiedergetroffen, doch das ist nichts gegen seinen "Nachfolger", den ich Ende 2000 kennenlernte, mit dem ich mich 2003 zerstritt und den ich dieses Jahr nach über 8 Jahren Funkstille wiedertraf, mit dem ich mich sofort wieder vertrug und nun wieder Pläne mit ihm schmiede. Beides erinnert mich ein bisschen an das uralte "So gut", das wie aus dem Nichts, aber nur 2 mal gespielt wurde dieses Jahr und an den Mambo, der nicht ganz so uralt ist, aber dennoch lange auf dem Abstellgleis stand und nun wieder präsent ist. Und ein Lied bringt mir daher einen persönlichen Bezug: "Same old Boys". Und "Lass es uns nicht regnen" erinnert mich auch immer daran, wie ich den Streit mit Sebastian so einfach beilegen konnte, als hätte es ihn nie gegeben.
Bis auf gerade mal 3 Lieder (Deine Zeit, Auf dem Feld und So wie ich) kann ich bis heute mich mit jedem Schiffsverkehr-Titel mehr oder weniger identifizieren: Das Fernweh hat mich dieses Jahr gepackt und auch nächstes Jahr wird es wieder auf mittelgroße Tour gehen, zu Unfassbarr Grund und Zu Dir will ich meinen persönlichen Bezug hier nicht aufschreiben, zu Kreuz meinen Weg und Erzähl mir von morgen auch nicht wirklich außer der Nebenbeifeststellung, dass ich immer davon ausgegangen bin, den Menschen kennenzulernen, der mein Leben völlig auf den Kopf stellt, was schließlich am 29. Mai der Fall war und mir dadurch automatisch die anschließende Tour noch näher zu Herzen gebracht hat.
Wäre ich einfach nur feige war von Anfang an einer meiner Favoriten, schon kurz nachdem die Single draußen war, hat es in mir den Gedanken geweckt, dass es ein neues Zeitalter einläuten kann und ich denke, es deutet vieles darauf hin.
Aber 2 Lieder haben es mir ganz besonders angetan, wer aufgepasst hat, wird ohne Probleme erkennen, dass es Schiffsverkehr selbst und November sind. Musikalisch sind sie nicht die allerinnovativsten Stücke, auch das Gitarrenspiel von Herrn Grönemeyer selbst hat nun nicht mehr den exklusiven Reiz, wie zu Zeiten von Dort und hier oder Spur (obwohl sie ihm durchaus gut steht, und das, nachdem er viele Tourneen lang keine Gitarre gespielt hat, bei bisher 5 verschiedenen Liedern der Schiffsverkehr-Tour). Aber die Botschaft, die von beiden Liedern ausgeht, die hat sich in mir eingebrannt und nicht zuletzt verdanke ich es auch Zeilen wie "Keine Liebe bricht mich" und "Tief im Herbst drin liegt ein Neubeginn", dass ich es geschafft habe, mich noch einmal aufzuraffen und noch einmal zu versuchen, aus meinem Leben etwas zu machen.
Nächstes Jahr möchte ich an dieser Stelle über "Kinder an die Macht" gerne dasselbe schreiben wie über "So gut", hoffentlich liest das jemand und kümmert sich drum.