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Kirsten Heisig ist tot… ein Erklärungsversuch
Zitat:
Kirsten Heisig ist tot. Allem Anschein nach hat sie ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt. Alle anderen Behauptungen verlege ich in den Bereich kruder Verschwörungstheorien. Ich habe für diese Gewissheit auch einen Grund: Heisigs Freitod macht Sinn. Vor einigen Monaten diskutierten wir an dieser Stelle kontrovers den Selbstmord des Torwarts Robert Enke, der bei uns auf wenig Mitgefühl stieß, da er seine Familie im Stich ließ und einem Zugführer das Leben ruinierte. Heisigs Selbstmord allerdings macht mich nachdenklich und traurig, denn ich kann die Frau verstehen. Das macht ihren Schritt nicht richtiger, aber wenigstens hat sie keinen Lokführer mit sich ins Verderben gerissen.
Ich kann nicht ausschließen, dass Heisig persönliche Gründe für ihren Schritt hatte, aber ich denke eher, dass sie dem linken Gesinnungsterror in diesem Lande nicht mehr gewachsen war. Die Richterin hatte sich mit Meinungen und Fakten an die Öffentlichkeit gewagt, die dem Großteil der Medien, Politiker und Schreihälse in diesem Land nicht passten. Und diese haben sie es spüren lassen:Die Juristin hatte vor einigen Wochen in einer dpa-Reportage auch gesagt, dass ihr der Erfolg zu schaffen mache. „Ich hab keine Freunde hinzugewonnen. Ich fühle mich oft als Exot wahrgenommen“, meinte sie nachdenklich.
Heisig hatte sich durch ihre Äußerungen und Taten offensichtlich isoliert, woran sie als augenscheinlich sensibler Mensch zerbrochen ist. Dies ist keine Schuldzuweisung, denn Heisig hätte sich trotz allem nicht umbringen müssen. Während ich die rote Gesinnungsdiktatur sehr wohl als Auslöser für den Freitod Heisigs identifiziere, suche ich die Schuld allerdings nicht bei den Linken. Ich möchte jenen aber nahelegen, die Schuld bei sich zu suchen. Da Linke die Schuld für Verbrechen nie beim Kriminellen sondern immer in der Gesellschaft vermuten, sollten sie die Gründe für Heisigs Schicksal nun auch in der Gesellschaft suchen… und dort im eigenen Umfeld und zuvorderst bei sich selbst. Um eines klarzustelllen: Ich gebe den Linken nicht die Schuld, aber ich weise entschieden daraufhin, dass sie sich ihrer eigenen Logik folgend die Schuld geben sollten.
Heisigs mutige Stimme wird fehlen. Sie hatte Mut, aber am Ende fehlte die Kraft. Sie ist aufgestanden, aber sie konnte nicht stehenbleiben. Es ist tragisch und ich frage mich, was hätte ich tun können? Vielleicht doch einmal eine E-Mail an Frau Heisig zu schreiben und ihr dafür zu danken, dass sie aufgestanden ist? Eine Annerkunng, um ihr das Gefühl zu geben, dass sie nicht alleine ist oder ihr zu dem Mut zu gratulieren, den ich nicht habe.
Die Linken haben die Meinungshoheit übernommen. Wie oft hauen mir Menschen, die ich kaum kenne, ihre Meinungen um die Ohren. Ich neige nicht dazu, Gespräche über Politik offensiv zu beginnen. Meine Erfahrung ist, dass Linke diese Hemmungen nicht haben. Überraschend oft treffe ich Menschen, die viele meine Überzeugungen teilen, wobei sie diese aber erst nach gegenseitigem Abklopfen merklich äußern. Sage ich dann doch mal etwas politisch unkorrektes in Gegenwart eines Linken ernte ich Empörung und keine Gegenargumente. Es ist diese arrogante, widerliche Behandlung von oben herab, die einen Menschen zweifeln läßt. Ich meine, dass ich oft weiß, wovon ich rede und ich bin jedesmal auf’s Neue erschrocken, wenn meine Argumente einfach, ohne die geringste Bemühung sie zu widerlegen, weggebügelt werden. Linke befinden sich im permanenten Kriegszustand und sind alarmistisch bis ins Mark. Es ist fast amüsant, dass Menschen, die die Übernahme des Landes durch eine obskure rechte Macht permanent zu fürchten scheinen, George W. Bush eine “Politik der Angst” und Rechten und Liberalen grundsätzlich das Schüren von Ängsten vorwerfen. Im Lichte dieser Beobachtungen ergibt auch Heisigs Abschied-SMS einen Sinn:Ihr letztes Lebenszeichen war eine SMS an ihre Tochter: „Das ist alles zu viel für mich“, schrieb sie. Sie glaubte, dass sie „alles falsch“ macht.
Ich könnte mir denken, dass Heisig inzwischen dachte, dass sie alles falsch machte, weil ihr von vielen eben dieses Gefühl gegeben wurde und sie zu wenig Zuspruch erfuhr. Weil zuviele Menschen, die zwar keine Ahnung von der Materie hatten, aber dachten, dass es ihre gesellschaftliche Verantwortung sei, reaktionäre Kräfte wie Heisig zu stoppen, ihr kategorisch den Mund verboten, könnte Heisig die Kraft verlassen haben. Claudia Roth ist nur das penetranteste Beispiel für den Umstand, dass Empörung die Notwendigkeit von Fakten und Erklärungen in der politischen Auseinandersetzung obsolet geworden sind. Es kann wehtun, wenn man das Beste will und pausenlos als Teufel karikiert wird, weil man nicht ins Weltbild der Meinungsmonopolisten passt. Vergessen wir nicht, dass “Rechte” heute ihre Arbeitsplätze verlieren, vom sozialen Status ganz zu schweigen. Die Forderung nach Rücktritten und die Zerstörung von Karrieren ist insbesondere durch die Grünen, die die inhaltliche Auseinandersetzungen zu scheuen scheinen wie der Teufel das Weihwasser, zum alltäglichen Mittel der Politik geworden. Auch Gewalt und Nötigung scheinen wie an den “Protesten” gegen Pro-Köln zu sehen, ein legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung zu sein.
Es ist schade, dass Kerstin Heisig die Kräfte verließen. Ihr Mut verdient dennoch Bewunderung, auch wenn sie an der Aufgabe, die sie sich setzte letztlich scheiterte, denn nur weil wir nicht immer an unsere Ideale heranreichen, wird das Streben nach ihnen nicht sinnlos, denn: “Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.”
Wir haben heute verloren.
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Quelle
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Always be a first-rate version of yourself, instead of a second-rate version of somebody else.
Judy Garland
fefe
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