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Zitat von Bini
...Und von wegen zu Anna und den Kindern gab es vielleicht keine Meldungen ... Eine Schlagzeile wie "Grönemeyer's Frau hat Krebs" wäre für Schmierblätter sicherlich DIE Schlagzeile gewesen - so eine Schlagzeile gab es aber nie - warum nur?...
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Nein so eine Schlagzeile gab es in der Tat nicht.
Aber um welchen Preis?
Ich sag´s Dir. Um den Preis, dass nicht nur die Öffenlichkeit nichts wusste, sondern dass NIEMAND etwas wusste! Acht Jahre lang!
Hätten es weitere Personen gewusst, wäre es 100%ig an die Öffentlichkeit gekommen
Zwei Auszüge aus dem allseits bekannten Interview im STERN Nr 12/99 vom 18.03.1999:
Willemsen Wie lange wusstest Du von Annas Krankheit?
Grönemeyer Acht Jahre
Willemsen Hast Du je daran gedacht, Dich auf die jetzige Situation vorzubereiten?
Grönemeyer Da war nichts vorzubereiten. Ich dachte die ganze Zeit, dass es zu packen sein müsste.
Willemsen Hätte sie einen Abschied zugelassen?
Grönemeyer Nein. Das war nicht ihr Stil. Ihre Einstellung war: Man zeigt keine Schwäche. Das Leben ist hart genug, dem setzt man was dagegen. Man hatte dem eine Haltung gegenüberzustellen, nur dann war man es wert an Ihrer Seite zu sein.
Willemsen Sie hat dich also auch nicht vorbereitet?
Grönemeyer Nein wir haben darüber nicht gesprochen....
Willemsen War deine Rolle in der Öffentlichkeit eigentlich immer gepräft von diesem Geheimnis? Du gilst ja nicht gerade als lässig oder geschmeidig
Grönemeyer In der Situation hat man keinen Platz für Äußerlichkeiten. Man versucht, für die Strecke alle Kräfte zu mobilisieren. Das hat mein Image sicher mitgeprägt. Es hat mir sicher auch geholfen, weil es mir Klarheit und Reife gegeben hat. Ich war nie oberflächlich. Früher hatte ich eine Heiterkeit und Leichtigkeit, die mit Ernsthaftigkeit gepaart war. Das geht einem in so einer Phase ab. Man hat die Krankheit, Familie, man steht auf der Bühne. Wenn man das alles bündeln will, kann man sich keine Tricks leisten.
Willemsen Du musst doch manchmal auf der Bühne gestanden haben und gedacht haben: "Wenn ihr wüsstet."
Grönemeyer Das wussten ja auch die engsten Freunde nicht. Es wusste ja keiner, nicht einmal meine Band...
Kannst Du Dir das vorstellen?
Acht Jahre kannst Du mit keinem über deine Gefühle, deine Ängste reden.
Und niemand kann mir erzählen, dass er keine Ängste hatte. Marie war, als die Krankheit ausbrach, gerade ein Jahr, Felix etwa drei.
Meinst Du ernsthaft, er hätte sich nie gerne bei irgendeinem Freund ausgeheult, wenn Anna durch die Chemo ihre Haare verliert, wenn sie unbeschreibliche Schmerzen hat?
Glaubst Du ernsthaft, dass er sich nie gefragt hat, was passiert wenn Anna stirb? Mit den Kindern, mit ihm?
Acht Jahre musst Du Freunden etwas vorspielen (eine beachtlche schauspielerische Leistung). Ich hätte das nicht gekonnt.
Meinst Du ernsthaft, es hätte nie jemand gefragt, wie geht´s euch? Warum sieht Anna so schlecht aus? Warum bist Du so traurig, so nachdenklich?
Die Mitglieder seiner Band, mit denen er monatelang im Studio und auf Tournee war (zumindest zwei Plattenproduktionen und Tourneen) hatten keine Ahnung. Sie haben praktisch aus der allseits geliebten BILD vom Tod der Frau ihres "Chefs" erfahren.
Ich als Bandmitglied hätte das nach mehr als fünfzehnjähriger Zusammenarbeit und Freundschaft nicht so wahnsinnig komisch gefunden.
Herbert hat sich so verhalten, weil Anna es so wollte, nicht weil er es so wollte.
Es war nunmal Annas Krankheit. Und er hat Anna geliebt und sich dementsprechend verhalten.
Aber jetzt ist die Situation halt eine andere und er kann sich auch anders verhalten. Und das kann ich durchaus nachvollziehen!
Wer etwas über Annas Wesen erfahren möchte, dem kann ich nur den Nachruf von Roger Willemsen auf Anna im Spiegel Nr 48/1998 vom 23.11.1998 empfehlen.
Ein kleiner Auszug vom Ende des Textes (den ganzen Text kann man noch im Spiegelarchiv bekommen für 0,40EUR)
...doch wie soll man sich diese Authentizität bewahren, wenn man über das Wichtigste, die eigene Krankheit nicht reden kann? Sie musste ihr Leben inszenieren, nicht aufhören, Lebensbedingungen für sich zu suchen. Sie schleifte ihren Mann, den gut verwurzelten Bochumer, mit sich, von Umzug zu Umzug, von Stadt zu Stadt, bis sie schließlich eine Wohnung in London fanden, wo ihr die Parks so gut gefielen und der vom Tode inspierierte sarkastische Humor.
Anna hatte ein Talent, die Dinge tief zu sehen, und Herbert besitzt die Kraft eines westfälischen Berserkers und Märchenerzählers. Wo sie wirken konnte, als habe sie lebend das Leben schon hinter sich, da steckte er sie an mit seiner Vitalität und einem Humor, den sie oft nicht teilte. In der Fähigkeit, sich aus der Kraft des anderen zu ernähren, waren sie Zwillingsseelen, "dead ringers", sagt man im Englischen...
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Ich entschuldige mich hiermit in aller Form, bei allen, die lange Beiträge hassen; aber das musste jetzt einfach sein![/i]