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Das schlimme dabei ist die Hilflosigkeit. Eine enge Verwandte von mir liegt seit einer Rountine-Herz-OP im Koma, seit mittlerweile einem Jahr.
Ihr Mann kümmert sich rührend um sie, sie ist bei ihm zuhause, aber von ihr gibr es keine Reaktionen mehr. Sie liegt einfach nur da.
Und immer wenn ich an ihrem Bett stehe, weiß ich überhaupt nicht mehr, was ich sagen oder tun soll. Ich weiß nicht, ob sie mich sieht oder hört, ob sie überhaupt etwas merkt und dabei würde ich ihr gerne viel erzählen.
Ich weiß auch nicht wie lange ihr Mann das noch durchhält, er traut sich nicht einmal sie zehn Minuten zum Einkaufen alleine zu lassen, weil er Angst hat, dass sie erbricht und dann erstickt.
Darum verkümmert er selbst immer mehr, nur noch zuhause, gefangen mit einer Kranken. Viele Freunde (sogenannte) haben sich schon von ihm abgewendet, weil sie es nicht ertragen können.
Es ist halt einfach sehr schwer, wenn man plötzlich mit einer solchen Situation konfrontiert wird. Ich selber verdränge es im Alltag so gut es geht, aber wenn ich dann darüber nachdenke muss ich immer heulen.
Es gibt einfach kein Patentrezept mit so etwas umzugehen. Jeder versucht das auf seine Weise. Aber auch wenn der Umgang nicht leicht ist, sllte man sich nicht völlig abwenden, andererseits versuche ich trotzdem mein eigenes Leben weiterzuleben, und besuche sie nur sporadisch - wie früher auch. Ich fände es heuchlerisch, jetzt die große Besuchstour zu starten, denn das habe ich früher auch nicht getan.
Aber der Umgang mit Kranken ist in unserer Gesellschaft leider nur ein Randthema, obwohl wir alle hilflos dastehen und die selben Probleme haben. Es fällt mir auch schwer mit anderen über meine Gefühle darüber zu sprechen, so ganz konkret.
Die ganze Wucht mit der einen so eine Krankheit trifft und wie sehr sich alles was damit zusammen hängt in das Unterbewusstsein einfrisst, wird einem wohl nur bewusst, wenn man es selber erlebt. Aber das wünsche ich keinem!
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Ich geb Dich nie verlor'n
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