Herbert Grönemeyer Forum

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Traumtaenzer 28.07.2003 13:01

Ich bin ich
sagt man häufig




leise öffene ich die
Tür
zum wartezimmer meiner
seele


..und erschrecke
--SO VIELE....


ganz langsam fasse ich mich
und spreche


"Der nächste bitte"

Traumtaenzer 28.07.2003 13:01

Ich habe geweint
und alle sahen
Lachtränen
in meinen Augen

weil ich nach Aussenhin lachte

ich habe geschwiegen
und alle dachten
ich habe nicht zu
sagen

Während es In Mir schrie ...

Lachende Fratzen
grauenvolle Monster
Eisige Hände
Ein kranker Verstand
verlogene Sicherheit

... Und kinder sterben weiter

Traumtaenzer 28.07.2003 13:02

Sorge Dich nicht um das,was kommen mag,
Weine nicht um das,was war..


Aber sorge --DICH Nicht selbst zu verlieren
Und weine--wenn Du dahintreibst im Strome der Zeit

..OHNE den Himmel in Dir zu tragen.

Traumtaenzer 28.07.2003 13:05

Zitat:

magst du nicht vielleicht den ganzen nachmittag hier verbringen..?!
so gerne würde ich, aber kann nicht.... ein letztes:

Was ist das Leben?

An einem schönen Sommertag um die Mittagszeit war große Stille am Waldrand. Die Vögel hatten ihre Köpfe unter die Flügel gesteckt und alles ruhte.

Da streckte der Buchfink sein Köpfchen hervor und fragte: " Was ist eigentlich das Leben?" Alle waren betroffen über diese schwere Frage. Im großen Bogen flog der Buchfink über die weite Wiese und kehrte zu seinem Ast im Schatten des Baumes zurück.

Die Heckenrose entfaltete gerade ihre Knospe und schob behutsam ein Blatt ums andere heraus. Sie sprach:" das Leben ist eine Entwicklung."

Weniger tief veranlagt war der Schmetterling. Er flog von einer Blume zur anderen, naschte da und dort und sagte:"Das Leben ist lauter Freude und Sonnenschein."

Drunten im Gras mühte sich eine Ameise mit einem Strohhalm, zehnmal länger als sie selbst und meinte dazu:" Das Leben ist nichts anderes als Mühsal und Arbeit"

Geschäftigt kam eine Biene von einer honighaltigen Blume auf der Wiese zurück und meinte dazu:" Nein, das Leben ist ein Wechsel von Arbeit und Vergnügen"

Wo so weise Reden geführt wurden, steckte auch der Maulwurf seinen Kopf aus der Erde und brummte:"Das Leben?, es ist ein Kampf im dunkeln!"

Nun hätte es fast Streit gegeben, wenn nicht ein feiner Regen eingesetzt hätte, der sagte:"Das Leben besteht aus Tränen, nichts als Tränen" Dann zog er weiter zum Meer.
Dort brandeten die Wogen und warfen sich mit aller Gewalt gegen die Felsen und stöhnten:"Das Leben ist ein stets vergebliches Ringen nach Freiheit."

Hoch über ihnen zog majestätisch der Adler seine Kreise. Er frohlockte:" Das Leben, das Leben ist ein Streben nach oben"

Nicht weit vom Ufer entfernt stand eine Weide. Sie hatte der Sturm schon zur Seite gebogen. Sie sagte:" das Leben ist ein Sichneigen unter einer höheren Macht"

Dann kam die Nacht. Mit lautlosen Flügeln glitt der Uhu über die Wiese den Wald zu und krächzte:"Das Leben heißt: die Gelegenheit nützen wenn andere schlafen"
Und schließlich wurde es still in Wald und Wiese.

Nach einer Weile kam ein junger Mann des Weges. Er setzte sich müde ins Gras, streckte alle viere von sich und meinte erschöpft vom vielen Trinken und Tanzen:" das Leben ist das ständige Suchen nach Glück und eine lange Kette von Enttäuschungen."

Auf einmal stand die Morgenröte in ihrer vollen Pracht auf und sprach:" Wie ich die Morgenröte, der Beginn des neuen Tages bin, so ist das Leben der Anbruch der Ewigkeit"

aus die Geschichte vom Korb mit den wunderbaren Sachen [Jürgen Schwarz]

grönländerin 28.07.2003 13:43

Zitat:

Ich habe geweint
und alle sahen
Lachtränen
in meinen Augen

weil ich nach Aussenhin lachte

ich habe geschwiegen
und alle dachten
ich habe nicht zu
sagen

Während es In Mir schrie ...

Lachende Fratzen
grauenvolle Monster
Eisige Hände
Ein kranker Verstand
verlogene Sicherheit

... Und kinder sterben weiter
..ach, TT,..wenn ich dich nicht hätte hier ! :')

... :cry: ....

Traumtaenzer 28.07.2003 17:58

Wer bin ich?

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloß.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und zu leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?
Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

(Dietrich Bonhoeffer in seiner Zelle eines Gestapogefängnisses)

pianofreak 28.07.2003 23:47

Ich traue mich ja kaum, hier zu unterbrechen... Sehr schöne Zeilen, TT!

Das Leben ohne Musik ist einfach ein Irrtum, eine Strapaze, ein Exil. ...Es gibt nichts, was mich eigentlich mehr anginge als das Schicksal der Musik.

Friedrich Nietzsche

...das kleinste Geschehen entfaltet sich wie ein Schicksal und das Schicksal selbst ist wie ein wunderbares, weites Gewebe, darin jeder Faden von einer unendlich zärtlichen Hand geführt und neben einen anderen gelegt und von hundert anderen gehalten und getragen wird...

Rainer Maria Rilke

Conny022 29.07.2003 03:49

@TT, pianofreak

....so wunder...wunderschöne Worte hier...
(werd mir einiges abschreiben wenn ich darf...schön)

Conny022 29.07.2003 03:52

L I E B E

Wenn ich die Sprachen aller Menschen spreche und sogar die Sprache der Engel,
aber ich habe keine Liebe -
dann bin ich doch nur ein dröhnender Gong oder eine lärmende Trommel.

Wenn ich prophetische Eingebungen habe und alle himmlischen Geheimnisse weiß und alle Erkenntnis besitze, wenn ich einen so starken Glauben habe, dass ich Berge versetzen kann,
aber ich habe keine Liebe -
dann bin ich nichts.

Und wenn ich all meinen Besitz verteile und den Tod in den Flammen auf mich nehme,
aber ich habe keine Liebe -
dann nützt es mir nichts.

Die Liebe ist geduldig und gütig.
Die Liebe eifert nicht für den eigenen Standpunkt,
SIE prahlt nicht und spielt sich nicht auf.
Die Liebe nimmt sich keine Freiheiten heraus, SIE sucht nicht den eigenen Vorteil.
SIE läßt sich nicht zum Zorn reizen und trägt das Böse nicht nach.
SIE ist nicht schadenfroh, wenn anderen Unrecht geschieht, sondern freut sich mit, wenn jemand das Rechte tut.

Die Liebe gibt nie jemand auf, in jeder Lage vertraut und hofft SIE für andere; alles erträgt SIE mit großer Geduld.

Niemals wird die Liebe vergehen. Prophetische Eingebungen hören einmal auf, das Reden in Sprachen des Geistes verstummt, auch die Erkenntnis wird ein Ende nehmen.
...
Auch wenn alles einmal aufhört - Glaube, Hoffnung und Liebe nicht.

sf 30.07.2003 01:04

okay, dann will ich auch mal einige meiner liebsten, gesammelten stücke hier schreiben .... viele werden das hier kennen ...

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«
So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«
So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn' ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.
Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«
So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Theodor Fontane

sf 30.07.2003 01:06

und hier noch was zum schmunzeln ... ich hoffe es ist ok, wenn ich es hier poste :wink:

Grad aus dem Wirtshaus

Grad aus dem Wirtshaus komm ich heraus,
Straße- wie siehst du so wunderlich aus,

Linkerhand, Rechterhand alles vertauscht,
Straße, ich glaub' du bist ziemlich berauscht.

Was für ein schief Gesicht - Mond machst denn Du,
Ein Auge hast Du auf, eins hast Du zu,

Du scheinst betrunken mir, das merk ich schnell,
Schäme Dich, schäme Dich - alter Gesell.

Und die Laternen erst, was muß ich sehn,
Die können alle nicht grade mehr steh'n,

Wackeln und fackeln die Kreuz und die Quer,
Die sind geladen allesamt schwer.

Alles im Sturme tanzt Großes und Klein,
Und Ich mittenmang- nüchtern- allein,

Mensch - welch ein Wagnis, bin ich denn verrückt,
Da geh' ich doch lieber ins Wirtshaus zurück.

Conny022 30.07.2003 13:57

Das Glück


Es huscht das Glück von Tür zu Tür,
Klopft zaghaft an: - wer öffnet mir?

Der Frohe lärmt im frohen Kreis
Und hört nicht, wie es klopft so leis.

Der Trübe seufzt: Ich lass nicht ein,
Nur neue Trübsal wird es sein.

Der Reiche wähnt, es pocht die Not,

Der Kranke bangt, es sei der Tod.

Schon will das Glück enteilen sacht;
Denn nirgends wird ihm aufgemacht.

Der Dümmste öffnet just die Tür -
Da lacht das Glück: "Ich bleib bei dir!"

(Richard Zoozmann)

Conny022 01.08.2003 04:07

„Lieben heißt DU sagen zu können zu jemanden: lieben heißt aber nicht nur DU sagen können zu einem, sondern auch ein anderes:
JA sagen können zu ihm; also nicht nur den Menschen in seinem Wesen erfassen, in seiner Einmaligkeit und Einzigartigkeit, sondern auch in seinem Wert bejahen.

Nicht nur also einen Menschen in seinem So-und-nicht-anders-Sein sehen, sondern zugleich auch mehr als das: sein Seinkönnen – sein Seinsollen mitsehen, das heißt,
sehen nicht nur, wie er wirklich ist, sondern auch was alles er werden kann bzw. was er werden soll.

Mit anderen Worten, nach einem schönen Wort von Dostojewskijs:
Lieben heißt den anderen Menschen so sehen, wie Gott ihn gemeint hat.“

Viktor E. Frankl: Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn

grenzwertig 01.08.2003 18:08

wunderschön, conny022.."lieben heisst den anderen menschen so zu sehn wie gott ihn gemeint hat"..-gelegentlich..nicht übertreiben..;-)..das "gott" könnte man ggf weglassen.."wie er gemeint ist"..denn "wenn es gott nicht gibt, dann bin ich gott" (f.m. dostojewskij) :wink:

grönländerin 01.08.2003 18:32

.."lieben heisst den anderen menschen so zu sehn wie gott ihn gemeint hat"..-

genau das hab ich diese tage wieder gefunden. .. weiß gar nicht wo.. (ich steck einfach überall meine nase rein..udn find das hinterher nicht mehr wieder... -sonst hätt ich das hier schon reingeschrieben..wollte das hier reinschreiben)..

die zeile sagt nämlich alles in ihrem kern aus, was es überhaupt nur je über liebe zu sagen gäbe. :(



übrings:Viktor E. Frankl: Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn

die bücher von dem mann (jüdischer psychologe und arzt (?) ; erlebte konzentrationslager), verlor -soweit ich mich erinnre- seine frau, ..der er sich innerlich sehr verbunden udn liebend fühlte, ..-eben auch als sie körperlich-räumlich nciht mehr erreichbar war.. udn er erwähnte auch, wie unbedeutend dies auch wurde, als es auf das wesentliche ankam..
ich habe sein buch "trotzdem JA zum leben sagen" gelesen -udn cih kann es einfach nur empfehlen, sich mal die zeit zu nehmen udn das mal zu lesen.. (ist auch eher nicht so dick, taschenbuch udn dürfte auch nciht teuer sein, .. ich habs mal vor ein paar jahren gelesen.. so mit ~17/18 .. udn mcih hats unheimlich beeindruckt ... es geht darum, was menschen unter extrembedingungen (eben KZ-elebnisse) innerlich stark macht... udn -was mir innerlich so besonders gut zu lesen getan hat- warum es in seinen erinnerungen gerade die im sonstigen leben eher traurigen/schwermütigen menschen waren, die seelisch länger überlebten als die lebenshungrigen optimisten in ihrer pseudohülle an lebenssinn..


...

viele grüße von mir,

....

Conny022 01.08.2003 18:34

... :) ...@grenzwertig

Aber vielleicht gibt es ihn ja doch, wer weiß?! :wink:

Commodus 01.08.2003 19:52

Wie das Nike ohne Air,
wie der Teddy ohne Bär,
wie die Sonne ohne Stich,
ja so wär ich ohne Dich....

Luxus 06.08.2003 11:18

Schau nach vorn und nicht zurück,
hör nicht auf die bösen Stimmen.
Fühlst Du es nicht, das Glück?
Versuche den Berg zu erklimmen.

Er ist nicht so hoch, wie er erscheint,
auch wenn den Gipfel Du nicht siehst.
Auf dem Weg wird manche Träne geweint,
doch auch Schönes Du daraus ziehst.

Gib Dir selber einen Tritt,
fange an zu fliegen.
Denn durch diesen großen Schritt,
am Ende Du kannst vielleicht siegen.

grönländerin 06.08.2003 20:13

Land in Sicht


Land in Sicht, singt der Wind in mein Herz.
Die lange Reise ist vorbei.
Morgenlicht weckt meine Seele auf.
Ich lebe wieder und bin frei.


Und die Tränen von gestern wird die Sonne trocknen,
die Spuren der Verzweiflung wird der Wind verweh'n.
Die durstigen Lippen wird der Regen trösten
und die längst verlor'n Geglaubten
werden von den Toten aufersteh'n.


Ich seh die Wälder meiner Sehnsucht,
den weiten sonnengelben Strand.
Der Himmel leuchtet wie Unendlichkeit,
die bösen Träume sind verbannt.

(vonTon.Steine.Scherben)

grönländerin 06.08.2003 20:24

..schön wärs.

Traumtaenzer 08.08.2003 22:25

Manche Menschen wissen nicht,
wie wichtig es ist, dass sie da sind.

Manche Menschen wissen nicht,
wie gut es tut, sie nur zu sehen.

Manche Menschen wissen nicht,
wie tröstlich ihr gütiges Lächeln wirkt.

Manche Menschen wissen nicht,
wie wohltuend ihre nähe ist.

Manche Menschen wissen nicht,
wie viel ärmer wir ohne sie wären.

Manche Menschen wissen nicht,
dass sie ein Geschenk des Himmels sind.

Sie wüßten es,
würden wir es ihnen viel öfter sagen.

(Paul Celan)

Claudia69 08.08.2003 23:12

Als der Tag begann,
jung und feucht,
und der silberne Tau auf allen Blüten glänzte,
schenktest du mir dein Lachen,
deiner Liebe gabst du meinen Namen,
und deine Hände küßten meine Hände.

Und als der Mittag kam
und die Luft weiß flimmerte
und die Sonne sich selbst verbrannte,
berührten mich deine heissen Lippen.
Deine Haut verschmolz mit meiner Haut,
und deine Hände küßten meinen Mund.

Und als der Abend fiel
und die Tiere auf den Feldern
sich fürchteten und brüllten,
blickten deine Augen an mir vorbei,
traurig und fern.
Und deine Hände zitterten auf meinem Leib.

In der Nacht aber,
als sich deine Hände von meinem Körper lösten
und du mich mit deinem Abschied begrubst,
da stieg der Fluß über die Ufer,
und alle Wasser überfluteten die Erde.

Seitdem weint meine Seele Blut
unter dem schwarzen Mond.

Christiane Schütze

Claudia69 08.08.2003 23:46

gesetzt den fall, du kannst nicht schlafen
weil regen klatscht ans fensterglas
oder der sturm an türen rüttelt
oder du hörst schritte im gras

komm dann zu mir, um dich zu wärmen
ich mach ein zimmer für dich klar
ich werd dich wiegen in meinen armen
und dir streicheln übers haar

es wird schonmal an dunklen tagen
das leben unerträglich schwer
zuweilen kann man sich schon fragen
ob man lieber nicht geboren wär

komm dann zu mir, um dich zu wärmen
ich mach ein zimmer für dich klar
ich werd dich wiegen in meinen armen
und dir streicheln übers haar

sag doch nie: ich will nicht mehr leben
wem dient es, wenn man einfach geht
du hast mir dieses lied gegeben
du, die es nur zu gut versteht

komm dann zu mir, um dich zu wärmen
ich mach ein zimmer für dich klar
ich werd dich wiegen in meinen armen
und dir streicheln übers haar

wenn mein gesang nicht mehr gehört wird
weil er kaum einem etwas sagt
gesetzt den fall, ich kann nicht schlafen
von tausend ängsten dann geplagt

komm ich zu dir, um mich zu wärmen
mach dann ein zimmer für mich klar
wieg mich in deinen armen
streichel mir übers haar

herman van veen

junimond 14.08.2003 11:28

die liebe reißt die masken ab, von denen wir fürchten, dass wir ohne sie nicht leben können, und von denen wir wissen, dass wir mit ihnen nicht leben können.

j.baldwin

[und
daher
nun
die
frage:]

wie kannst du leben, wenn du nicht lieben kannst? und wie kannst du leben, w e n n du liebst?

Henner 14.08.2003 12:54

Was wäre bei mir mit 20, 30 Jahren anders gelaufen,
wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß?
Ich hätte erstens mehr gelacht und mir weniger Sorgen gemacht.
Ich hätte früher verstanden, dass nicht jeder Verlust endgültig ist
und dass manches Verlorene das Aufheben nicht gelohnt hätte.
Ich hätte mit mehr Muße den Wechsel der Jahreszeiten beobachtet.

Ich wäre mutiger gewesen, im Sinn von beherzt,
denn "der wahre Mut", sagt die Schriftstellerin Eudora Welty,
"beginnt im Innern".
Ich hätte früher verstanden, welche Befriedigung man in den
kleinen Dingen des Alltags finden kann: die heiße Tasse Kaffee
am Morgen; der Sohn, der mir aus seinem Zimmer "Gute Nacht!" zuruft;
der Anblick des rotgetigerten Katers, der in einem Fleckchen Sonnenschein
sein Nickerchen macht.

Alice Steinbach

grenzwertig 14.08.2003 22:18

ja sie wüssten es, würden wir es ihnen viel öfter sagen :)
doch.rotgetigerte kater z.b. weiss ich sehr zu schätzen :)

und nu mal was bayerisches ;-) :

zwischen uns zwoa

du schaugst mi o
und du sigst was in mir
was i ned sein mag

i red den ganzen tag
nix mit dir
aber du
verstehst alles was i ned sag

wenn ma mia
beieinanderliegn
dann steht gwiess
koa wand
zwischn uns zwoa

höchstens a spiagl

(harald grill)

grenzwertig 14.08.2003 22:43

und des meeres wegenwiedermal ;-) :

ich möchte leuchtturm sein
- in nacht und wind
für dorsch und stint,
für jedes boot-
und bin doch selbst
ein schiff in not.

(wolfgang borchert)

Danyflower 14.08.2003 23:51

Hmmm, also gut... Mal schauen, was mir so einfällt...

There are things in life you can't describe... you can only live them


Ich bin kein Dichter,
doch es würde eines Dichters bedürfen
um auszudrücken
was ich für dich
empfinde.

N. Sparks

Mein Leben war voll von Katastrophen, die niemals passiert sind

pianofreak 15.08.2003 01:23

Seit ich Musik höre, weiß ich, daß ich unsterblich bin. Wieso? Musik ist die Sprache der Seele. Und die wird man nie müde.

Peter Hille, dt. Dichter

Ein Jnani (einer, der Gott kennt) und ein Premikä (einer, der Gott liebt) wanderten durch einen Wald. Plötzlich tauchte ein Tiger auf. Der, der Gott liebt, wollte fliehen, aber der andere hielt ihn zurück: "Ich kenne Gott", sagte er, "und ich weiß, dass er uns beschützen wird!" Da erwiderte der erste: "Ich kenne zwar Gott nicht so gut wie du, aber ich liebe ihn. Deswegen will ich es ihm leichter machen, mir zu helfen."

pianofreak 16.08.2003 01:14

In der Brandung ein klarer Stein,
erhoeht, von Gischt umschaeumt und maechtig.
Die Wellen umspuelen ihn, schmeicheln und beruehren ihn.
Nehmen den Stein in unendlich kleinen Teilchen in sich auf,
ohne klein zu machen, was gross an ihm ist.
Liebend streckt er sich dem Wasser entgegen, still und ruhig,
wenn hoch die Wellen oder brennende Sonne ihn zu ueberspuelen und
verbrennen drohen.
Gelassen und kraftvoll steht er und erzaehlt die immer gleiche
Geschichte von Liebe und Sehnsucht.
Sehnsucht nach Versoehnung.
Kraft erwachsen aus dem ersten Gestein.
Zusammengeschmolzen aus tausend kleinen Sternen und ehern,
allem zu trotzen, was sich ihm entgegenstellt.
Finde den Stein und tauch dort deine Haende in das Wasser, aus dem du
gekommen.
Beruehre die Stille.
Hoere auf sie.
Denn der Stein singt das Lied mit immer gleicher Melodie,
das Lied der Liebe.

(aus: http://home.t-online.de/home/06387925028/taize.htm )

junimond 25.08.2003 13:55

bevor ich sterbe

noch einmal sprechen
von der wärme des lebens
damit noch einige wissen:
es ist nicht warm
aber es könnte warm sein

bevor ich sterbe
noch einmal sprechen
von liebe
damit noch einige sagen:
das gab es
das muss es geben

noch einmal sprechen
vom glück der hoffnung auf glück
damit noch einige fragen:
was war das
wann kommt es wieder?

erich fried

junimond 25.08.2003 13:59

irrtum

wer seine angst anstarrt
ohne sich abzuwenden
von dem heißt es:
"sein mut
muss besonders
groß sein"

aber nicht
sein mut
muss so groß sein
nur die angst
die sein auge
nicht loslässt

erich fried

junimond 25.08.2003 14:04

wohin?

zur liebe
aber die liebe
führt zum grübeln

zum grübeln?
aber das grübeln
führt zur trauer

zur trauer?
aber die trauer
führt zum mitleid

zum mitleid?
aber das mitleid
führt zur verzweiflung

zur verzweiflung?
aber verzweiflung
führt zu den fragen

zu den fragen?
aber die fragen
führen zu antworten

zu antworten?
aber die antworten
führen zur auflehnung

zur auflehnung?
aber die auflehnung
führt zum tod

also zum tod?
aber ohne die auflehnung
ohne das mitleid
ohne die liebe
was wäre das leben?

e.f.

junimond 25.08.2003 14:08

die drei steine

"wie lange kann ich noch leben
wenn mir die hoffnung
verlorengeht?"
frage ich die drei steine

der erste stein sagt:
"soviel minuten du
deinen atem anhalten kannst unter wasser
noch soviel jahre"

der zweite stein sagt:
"ohne hoffnung kannst du noch leben
solange du ohne hoffnung
noch leben willst"

der dritte stein lacht:
"das hängt davon ab was du
noch leben nennst
wenn deine hoffnung tot ist"

e.f.

GlitzerndesMeer 26.08.2003 09:47

Zitat:

Niemand lernt jemals jemanden kennen. Wir sind alle zu lebenslänglicher Einzelhaft in unserer Haut verurteilt.
So kommt's mir oft vor. :cry:

junimond 02.09.2003 10:46

träume

träume verweh'n,
wenn sie nicht wissen,
wo sie schlafen soll'n.
und bevor der tag kommt,
zieh'n sie mit dem wind davon.

die welten dreh'n.
wer von uns weiß,
wer seine freunde sind?
wenn ein neuer tag kommt,
seh'n wir alle anders aus.

die zeit vergeht,
und so viel bleibt im straßenstaub,
wird uns fremd wie ein bild von daheim.
alles längst verschwunden,
alles überwunden,
und doch war da viel mehr
als ein spiel.

träume erfrier'n,
wenn niemand da ist,
der sie träumen will.
und bevor der tag kommt,
sind sie mit der nacht davon.

jetzt steh'n wir hier.
wer von uns weiß,
welchen weg er geht?
wenn ein neuer tag kommt,
ist nichts, wie es einmal war.

rio reiser.

junimond 05.09.2003 09:42

hat er also recht behalten, fragt sie sich, wenn er immer sagte: heutzutage ist liebe nicht möglich. keine freundschaft, keine hoffnung auf erfüllung. lächerlich, gegen die kräfte anzugehen, die zwischen uns und unseren wünschen stehen. ihre allmacht können wir uns nicht einmal vorstellen. gelingt uns die liebe trotzdem, dir und mir, dann müssen wir ganz stillhalten. dann müssen wir immer an das trotzdem denken. das schicksal ist neidisch.

[...]

du kennst das leben nicht. aber er kannte es, meinte er. er wusste, dass man eine schutzfarbe annehmen musste, um nicht erkannt und vernichtet zu werden. er wusste es, und das machte ihn einsam, auch hochmütig. manchmal bitter. ich dagegen hab nie angst gehabt, mich selbst zu verlieren.

~ __ ~ __ ~ __ ~

(sie spricht von einer ungünstigen zeit, in die sie hineingeboren worden sind. ist sicher auch dieser gedanke an ein "ungünstiges land"..
frag mich, ob diese zeit soviel günstiger ist, dieses land.
ihr euch auch?)
noch teilen die beiden denselben himmel..- ungeteilt.
(mich bedrückt, dass in den schönsten beschreibungen ihrer zweisamkeit der verlust so spürbar ist, erschreckend spürbar. dass es nicht von dauer ist..- man kann sich daran,..(auch an diesen wundervollen worten, die sie findet) einfach nicht erfreuen..~

grenzwertig 05.09.2003 22:48

...

silentium

schweige, verbirg dich und halte deine gefühle und träume geheim, lass sie in der tiefe deiner seele, lautlos auf- und untergehen wie sterne in der nacht; erfreue dich an ihnen -und schweige.
wie soll das herz sich offenbaren ? wie soll ein anderer dich verstehen ? begreift er, wodurch du lebst ? ein ausgesprochener gedanke ist eine lüge.wenn du die quellen aufwühlst, trübst du sie; zehre von ihnen - und schweige.
verstehe, nur in dir selbst zu leben:es gibt in deiner seele eine ganze welt geheimnisvoll-zauberhafter gedanken; sie betäubt der äussere lärm, die strahlen des tagesd vertreiben sie; lausche ihrem gesang - und schweige ! ...

(r. pollach - deutsche fassung)


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maritim wieder: :wink:

möwen

ich weiss nicht, wo die möwen die nester haben.
ich bin wie sie,
ewig im flug.
das leben streife ich wie sie.
das wasser, die nahrung zu greifen.
und wie sie, vielleicht, liebe ich die ruhe,
die meerene ruhe,
aber mein schicksal ist
leben taumelnd im sturm.

(vincenzo cardelli)

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frage eines lesenden arbeiters

wer baute das siebentorige theben ?
in den büchern stehen die namen von königen.
haben die könige die felsbrocken herbeigeschleppt ?
und das mehrmals zerstörte babylon-
wer baute es so viele male auf ? in welchen häusern des goldstrahlenden lima wohnten die bauleute ?
wohin gingen an dem abend, wo die chinesische mauer fertig war, die maurer ? das grosse rom ist voll von triumphbögen.wer errichtete sie ? über wen triumphierten die cäsaren? hatte das vielbesungene byzanz nur paläste für seine bewohner? selbst in dem sagenhaften atlantis brüllten in der nacht, wo das meer es verschlang, die ersaufenden nach ihren sklaven.

der junge alexander eroberte indien.er allein? cäsar schlug die gallier. hatte er nicht wenigstens einen koch bei sich ? philipp von spanien weinte, als seine flotte untergegangen war. weinte sonst niemand ?`friedrich der zweite siegte im siebenjährigen krieg. wer siegte ausser ihm ?

jede seite ein sieg.wer kochte den siegesschmaus? alle zehn jahre ein grosser mann. wer bezahlte die spesen?

so viele berichte.
so viele fragen.

(brecht)

..und noch paar fragen hat er vergessen.. :wink: ..typisch..

Zaubermaus 08.09.2003 20:51

Gib Dir selber einen Tritt,
fange an zu fliegen.
Denn durch diesen großen Schritt,
am Ende Du kannst vielleicht siegen.

@Luxus, wie wahr, wenn es nur auch immer so einfach wäre, wie es klingt...wir sind alle Engel mit einem Flügel, wir müssen uns umarmen, um fliegen zu können

Commodus 10.09.2003 17:15

How can I keep stability on such shaky grounds?

Ist zwar englisch, aber ich übersetze bei Bedarf gerne. Ist schon komisch, wenn man merkt, das einem langsam alles über den Kopf wächst.


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