Herbert Grönemeyer Forum

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Schneewittchen 31.01.2004 15:10

Wir sind Helden :) - wirklich ein wunderschönes Lied. Genau wie dieses...

Du erkennst mich nicht wieder
Du erkennst mich nicht wieder
Allein
Mein Gesicht sei noch gleich
Und du weißt nicht ob das reicht
Um nicht alleine zu sein

Du erkennst mich nicht wieder
Unerkannt
bin ich die halbe Nacht
noch um die Häuser gerannt

Ich erkenn hier nichts wieder
Alles müde und alt
und ich male uns beide
als Umriss aus Kreide
auf den Asphalt

Du erkennst mich nicht wieder
Unerkannt
hab ich dann drüben im Park
meine Kleider verbrannt

Ich erkenn mich nicht wieder
Nur mein Herz das noch schlägt
Und ich hebe die Arme
um zu sehen ob die warme
Nachtluft mich trägt

Du erkennst mich nicht wieder
Unerkannt
flieg ich ans Ende der Stadt
ans Ende der Welt
und über den Rand...

junimond 02.02.2004 10:05

hm..nach meiner denkmal-euphorie hab ich mich letzte woche mal durch die "reklamation" gehört. haben muss ich sie nicht, sind aber schon ein paar schöne sachen dabei..-die zeit heilt alle wunder. find ich besonders schön. höre ich jetzt immer während meiner surferei..-hat mich an zeilen von j.gaarder erinnert..(zu finden in seinem seltenen vogel, den ich nie bis zum schluss gelesen habe :roll: )..-an seine worte von magischen jahren und einer rätselhaften und wundervollen welt, die man anfangs-als kind..- noch als eine solche 'begreift' mit großen staunenden augen, aber je älter man wird, den blick und den sinn für dieses wunder welt verliert.."wenn wunder sich am laufenden band ereignen, dann müssen sie uns am ende gleichgültig sein."

GlitzerndesMeer 06.02.2004 21:53

Nicht nichts ohne dich, aber nicht dasselbe.
Nicht nichts ohne dich, aber vielleicht weniger.
Nicht nichts, aber weniger und weniger.
Vielleicht nicht nichts ohne dich, aber nicht mehr viel.


(E. Fried)

miamoto 10.02.2004 13:59

Manchmal wünschte ich mir,
ich würde weniger geliebt werden,
und nicht so viele Menschen hätten
eine viel zu hohe Meinung von mir.

Wenn Sie nur wüssten,
was ich sie nicht wissen lasse,
wie es in mir aussieht
und wie verachtenswert ich wirklich bin.

Wenn sie sehen könnten,
was ich mache,
sobald sie mir den Rücken zukehren,
wie ich sie verrate.

Warum liebt mich jemand,
der genau weiss,
das ich ihn verletzt habe
und es wieder tun werde?

Warum können sie nicht sehen,
was ich wirklich bin,
mich hassen
und mir den Abschied einfacher machen?

Schneewittchen 11.02.2004 17:04

das von miamoto gefällt mir gut. Von wem stammt es?

miamoto 11.02.2004 20:26

weiss ich leider nicht! :?

edit: ach was solls... is marke eigenbau :wink:

grenzwertig 23.02.2004 19:52

ach komm @miamoto, das wünschst du dir nicht wirklich :wink:
-------

l i e b e
l i e g e
l u e g e

Laurel 29.02.2004 21:12

du hast mir das lachen gezeigt,
hast mich vom stillstand befreit.
du hast mir geborgenheit gegeben,
hast mir gezeigt,
wie es ist zu leben.
du hast in mir die zuversicht geweckt,
hast meine verborgenen talente entdeckt
und dafür liebe ich dich.

von siegfried maier

jona 29.02.2004 21:48

"Als ich dich schlug
strichst du mir sanft über die wange
als ich dich kratzte-
der kuss von dir war so zärtlich
ich stand mit dem messer vor dir
du mit einer rose
ich raubte dich aus
du gabst mir noch dein erbe

nun stehe ich hier
und es tut mir unendlich leid
das ich elend immer noch lebe
einmal schon habe ich diesen sturz überlebt
das wasser fing mich auf
diesmal nicht
der asphalt wird mein unreines
herz zerschmettern
so wie ich deines zernitten habe

tschüss, mein schatz
Ps: sag en kindern nen schönen gruß"


das ist der abschiedsbrief eines gutn freundes an seine frau.
irgendwie muss ich immer heulen, wenn ich ihn lese...

bye,
jona

Britta1807 01.03.2004 16:35

Wäre es uns möglich, weiter zu sehen,
als unser Wissen reicht, vielleicht
würden wir dann unsere Traurigkeiten
mit größerem Vertrauen ertragen als
unsere Freuden.


Rainer Maria Rilke

grenzwertig 09.03.2004 23:39

@ britta: ah schön !

für einen

die andren sind das weite meer.du aber bist der hafen.
so glaube mir: kannst ruhig schlafen.ich steure immer wieder her.
denn all die stürme die mich trafen, sie liessen meine segel leer.
die anderen sind das bunte meer, du aber bist der hafen.
du bist der leuchtturm.letztes ziel.kannst ruhig schlafen.
die andern das ist wellenspiel, du aber bist der hafen.

mascha kaleko

(wellenspiel..grenzwertige sache 8) )

kontero 11.03.2004 09:34

resolution | bert brecht

In Erwägung unserer Schwäche machtet
Ihr Gesetze, die uns knechten solln.
Die Gesetze seien künftig nicht beachtet
In Erwägung, dass wir nicht mehr Knecht sein wolln.
In Erwägung, dass ihr uns dann eben
Mit Gewehren und Kanonen droht
Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als den Tod.

In Erwägung, dass wir hungrig bleiben
Wenn wir dulden, dass ihr uns bestehlt
Wollen wir mal feststellen, dass nur Fensterscheiben
Uns vom guten Brote trennen, das uns fehlt.
In Erwägung, dass ihr uns dann eben
Mit Gewehren und Kanonen droht
Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als den Tod.

In Erwägung, dass da Häuser stehen
Während ihr uns ohne Bleibe lasst
Haben wir beschlossen, jetzt dort einzuziehen
Weil es uns in unsern Löchern nicht mehr passt.
In Erwägung, dass ihr uns dann eben
Mit Gewehren und Kanonen droht
Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als den Tod.

In Erwägung: es gibt zuviel Kohlen
Während es uns ohne Kohlen friert
Haben wir beschlossen, sie uns jetzt zu holen
In Erwägung, dass es uns dann warm sein wird.
In Erwägung, dass ihr uns dann eben
Mit Gewehren und Kanonen droht
Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als den Tod.

In Erwägung: es will euch nicht glücken
Uns zu schaffen einen guten Lohn
Übernehmen wir jetzt selber die Fabriken
In Erwägung: ohne euch reicht's für uns schon.
In Erwägung, dass ihr uns dann eben
Mit Gewehren und Kanonen droht
Haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben
Mehr zu fürchten als den Tod.

In Erwägung, dass wir der Regierung
Was sie immer auch verspricht, nicht traun
Haben wir beschlossen, unter eigner Führung
Uns nunmehr ein gutes Leben aufzubaun.
In Erwägung: ihr hört auf Kanonen
-Andre Sprache könnt ihr nicht verstehn-
Müssen wir dann eben, ja, das wird sich lohnen!
Die Kanonen auf euch drehn!

wurde ende der 20'er jahre geschrieben... und ist irgendwie immernoch aktuell :?

Luxus 17.03.2004 14:33


Ich bin ein Baum,
bin ein Baum mit zwei Stämmen.
Ja, ja: mit zwei Stämmen!
Das verstehst Du nicht?
Ich bin ein Baum
und habe nur eine Wurzel,
eine Wurzel dort, wo ich geboren bin.

Du willst, daß ich immer grün bleibe,
willst mich biegsam wie eine Weide
oder blühend wie eine Linde?
- Aber ich bin ein anderer Baum
und habe zwei Stämme.
Sie sind nicht gleich -
können nicht gleich sein.

Es ist schön und doch schwer,
zwei Seelen zu haben.
- Du willst, daß ich eine wähle,
Nur eine Seele?
Aber schau dir diesen Baum an,
wie lebendig er ist, wie harmonisch!

Und nun stell dir vor,
ein Stamm würde abgeschnitten.
Wie verletzbar müßte er sein,
mein Baum.
Nein, ich möchte keinen Stamm verlieren,
ich will ich bleiben...
und weiterwalzen.

Denke nicht, ich stelle mich über die anderen.
Nein, ich bin ein Baum unter vielen;
nur ein wenig anders:

Eine Wurzel, ein Herz...
aber zwei Seelen.

GlitzerndesMeer 26.03.2004 01:40

Deine Signatur gefällt mir, grö.. :)

Zitat:

ERST NACHDEM WIR ALLES VERLOREN HABEN,
HABEN WIR DIE FREIHEIT ALLES ZU TUN.


--Tyler Durden--

grenzwertig 28.03.2004 16:17

der blumengarten

am see, tief zwischen tann und silberpappel
beschirmt von mauer und gesträuch ein garten
so weise angelegt mit monatlichen blumen
dass er vom märz bis zum oktober blüht

hier in der früh, nicht allzu häufig, sitz ich
und wünsche mir, auch ich mög allezeit
in den verschiedenen wettern, guten, schlechten
dies oder jenes angenehme zeigen.

bertolt brecht

auch wenn sich s teilweise wie ein schlagertext anhört..es ist doch sehr ok :wink:

junimond 11.04.2004 17:08

die sonne steht so tief und sie wärmt nicht mehr.
den namen, den ich rief, hörst du längst nicht mehr.
mich binden die gedanken an.
es hörte auf, eh es begann.
was mir den atem nimmt, ist ein schuldgefühl.
ich weiß, dass das nicht stimmt, doch das hilft nicht viel.
und alles ringsumher bleibt stumm.
es bleibt zum schluss nur noch "warum".

wenn eine hoffnung stirbt und alles in dir kälter wird,
dann bleibt dir selbst nicht mal die traurigkeit.
wenn alles sinnlos scheint,
das leben ist dein größter feind,
dann hilft dir auch nicht einmal mehr die zeit,

auch nicht die zeit.

(es bleibt nur warum, bleibt nur warum, bleibt nur warum.....)


[aus "tabaluga & lilli"]

Luxus 14.04.2004 14:34

Dein Bild in den Spätnachrichten,
Wimmernder, sterbender Soldat.
Eine Zahl in den Kriegsberichten,
Ein Rädchen im Kriegsapparat,
Für einen Schachzug zerschossen
Und für ein Planquadrat im Sand,
Für einen Wahn hast du dein Blut vergossen
Und immer für irgendein gottverdammtes Vaterland!

Wann ist Frieden,
Endlich Frieden,
Wann ist Frieden, endlich Frieden und all das Elend vorbei!
Wann ist Frieden,
Endlich Frieden,
Wann ist Frieden, endlich Frieden und das Ende der Barbarei!

Vielleicht sechs oder sieben Jahre,
Von Granatsplittern verletzt
Im Flur ein Kind auf einer Bahre,
Ein leises Weinen nur zuletzt.
So sieht es aus, das Bild des Sieges,
Und alle wissen es nur zu gut!Und den Preis zahl‘n die Kinder des Krieges
Von Belfast bis Soweto, von Sarajevo bis Beirut.

Ruhmsüchtiger Kriegsminister,
Ehrgeiz‘ger, greiser General
Und eure Mordgeschwister,
Ihr Handlanger im Arsenal:
Habt ihr niemals diese Visionen?
Und ihr da im Rüstungskonzern:
Sie sterben durch eure Kanonen,
Und es klebt Blut an euren saubren Händen, ihr sogenanntenehrenwerten Herrn!

Wenn die Kriegsherrn im Nadelstreifen,
Die wahren Schuldigen geächtet sind,
Wenn Soldaten endlich begreifen,
Daß sie potentielle Tote sind.
Wenn von Politikerversprechen
Sich nur dieses erfüllt von all‘n,
Wird eine bessere Zeit anbrechen,
Denn: „Wer noch einmal eine Waffe in die Hand nimmt, dem soll die Hand abfall‘n!“

Wann ist Frieden,
Endlich Frieden,
Wann ist Frieden, endlich Frieden und all das Elend vorbei!
Wann ist Frieden,
Endlich Frieden,
Wann ist Frieden, endlich Frieden und das Ende der Barbarei!


R. Mey

neuländerin 14.04.2004 16:02

hab grad mal bissel im heinz erhardt-archiv gestöbert....

(das erste sozusagen aus nachträglich aktuellem anlass :wink:)
Ein Ostergedicht
Wer ahnte, daß zum Weihnachtsfest
Cornelia mich sitzenläßt?
Das war noch nichts: zu Ostern jetzt
hat sie mich abermals versetzt!
Nun freu ich mich auf Pfingsten -
nicht im geringsten!

Schimpfe nicht ...
Schimpfe nicht auf Sozialisten -
oder auf Nationalisten -
oder gar auf Klerikale -
und auch nicht auf Liberale !
Schimpf nicht auf die Kaisertreuen -
oder auf die Neo-Neuen - -
schimpfe nur auf jene, die's
Land regiern, als könnten sie's !

In eigner Sache
Ich häng oft den Gedanken nach,
die teilweis stürmisch, teils gemach
die Gänge meines Hirns erfüllen.
Doch denken kann ich nur im Stillen.
Im Wald zum Beispiel ! Zwischen Bäumen,
dort kann ich dichten, kann ich träumen.
In Gegenwart von Baum und Tier,
da kommen die Gedanken mir.
Allein, inmitten jener Wesen,
die schreiben können und auch lesen,
die lieben könnten, doch nur hassen,
fällt mir nichts ein, da muß ich passen !

Wahrheit
Die schlechtesten Bücher sind es nicht,
an denen Würmer nagen,
die schlechtesten Nasen sind es nicht,
die eine Brille tragen.
Die schlechtesten Menschen sind es nicht,
die dir die Wahrheit sagen.

Der Spatz
Es war einmal ein grauer Spatz,
der saß ganz oben auf dem Dache,
und unten hielt die Mietzekatz
schon seit geraumer Weile Wache.
Da sagte sich das Spätzlein keck:
"Mich kann das Biest nicht überlisten!"
Bums, kam ein Habicht um die Eck
und holte sich den Optimisten. -
So kann es allen denen gehn,
die glauben, nur sie wärn die Schlauen.
Man darf nicht nur nach unten sehn,
man muß auch mal nach oben schauen!

Vierzeiler ohne Überschrift
Mal trumpft man auf, mal hält man stille,
mal muß man kalt sein wie ein Lurch,
des Menschen Leben gleicht der Brille:
man macht viel durch !

Vierzeiler ohne Überschrift
Es dürfte keine Steuern geben,
kein Zahnweh, keine Schützengräben,
dann wär auf dieser Welt das Leben
vielleicht noch schöner als wie eben!

http://www.heinzerhardt.com/ :)

groenlandi 07.05.2004 14:43

Genug oft, dass zwei Menschen sich berühren,
- nicht leiblich, geistig nur - dass sie sich "sehn",
dass sie sich einmal gegenüberstehn -
um sich danach auf immer zu verlieren.

Genug oft, dass ein Lächeln zweier Seelen
vermählt - oh nicht vermählt! Nur dies: sie führt,
so voreinander schweigend und erschüttert,
dass ihnen alle Wort' und Wünsche fehlen,
und jede, unaussprechlich angerührt,
nur tief vom Zittern der verwandten zittert.


Christian Morgenstern

GlitzerndesMeer 07.05.2004 15:06

Der Sehnsucht nach dem Anderswo
kannst du wohl nie entrinnen:
Nach drinnen, wenn du draußen bist,
nach draußen, bist du drinnen.

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Die Nacht,
In der
Das Fürchten
Wohnt,

Hat auch
Die Sterne
Und den
Mond.

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Ich gehe wieder auf Reisen
Mit meiner leisen
Gefährtin, der Einsamkeit.

Wir bleiben zu zweien einsam
Und haben nichts weiter gemeinsam
Als diese Gemeinsamkeit.

Die Fremde ist Tröstung und Trauer
Und Täuschung wie alles. Von Dauer
Scheint Traum nur und Einsamkeit.


(Mascha Kaléko)


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