Herbert Grönemeyer Forum

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Melilotti 26.02.2007 19:14

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Also gut, beleben wir das hier auf;-) Noch ein Gedicht von mir, ein eher nicht so tolles, aber... na, an was erinnert euch das? :D

Neue Farben für dich!

Die sonst so bunten Blumen welken,
sie duften auch schon nicht mehr,
können nicht mehr der Freude gelten,
der graue Schleier trifft sie schwer.

Die prächtigen Farben verblassen,
die schwachen Blätter fallen nieder,
Können nur noch ihre Blüten hängen lassen,
sehen die Sonne nie mehr wieder.

An anderer Stelle gehen neue Farben auf,
der Blütenduft nimmt den Raum ein,
Blätter recken sich gen Himmel herauf,
ach, könnte ich nur diese Blume sein!

sassi 06.03.2007 23:15

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Nur weil ich dich nicht ansehe,
heißt es nicht, daß ich dich nicht sehe,
nur weil du mich ansiehst, heißt es nicht,
daß du mich siehst.
Ina Batz

sassi 06.03.2007 23:43

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Niemand liebt dich, warum ich?
Niemand find't dich toll, ich soll?
Niemand liebt dich, warum ich?
Niemand liebt dich, jeder sich!
Falco

Laurel 13.03.2007 08:00

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
"Denn der einzige Grund für das Leben oder eine Geschichte ist doch:
Was passiert als nächstes ? "

Jack Kerouac

Cazzquvoc 13.03.2007 18:31

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
na dann mal nen gedicht ;)


„Heiliger Krieg“


Die Sonne geht unter
Künstliches Licht, leistet matt Widerstand
Dämmerung ist munter
Endlose Dunkelheit beginnt, im Feuerland

Stellung wird bezogen
Flugzeugträger und Panzer, schlagen auf
Motive tückisch erlogen
Fast wie Vorherbestimmt, dessen Verlauf
Erste Raketen schwirren ein
Reich Gottes, flackert zeitweilig glitzerhell
Kugelhagel Quer und Feldein
Beginnt also auch dieser Krieg, traditionell

Hintergründe ganz geheim
Hintergedanken, selbstverständlich nicht
Ersticken gewiss im Keim
Wer trägt es schon, vor unser Weltgericht

Familien brutal getrennt
Schock und Angst, unter Betroffenen tief
Filmriss macht präsent
Können Szenen nicht einordnen, im Archiv

Häuser willkürlich zerstört
Land und Boden, zerbombt oder zertreten
Tränen bleiben unerhört
Nicht nur feuchtes Nass, auch jenes Beten

Feldzug marschiert heiter
Utopischen Traum, von Macht vor Augen
Kreuzzug expandiert weiter
Um Rohstoffe, wie gewohnt aufzusaugen

Kalter Umsturz beginnt
Zweck erpresst Mittel, zu mieser Ordnung
Unersättlichkeit gewinnt
Bezahlen Mitschuld, in blutiger Währung

Mit Glauben bestückt
Vom Frieden gleich zwei Schritte entfernt
Knopf flink gedrückt
Intelligenz hat aus Geschichte nicht gelernt



....mfg cazz :rotier:

Cazzquvoc 18.03.2007 18:40

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Ein gutes Jahr

Noch gestern lag Schnee auf vielen Brücken
Schon heute sprießt farbenfreudiger Krokus
Frühling kehrt kaltem Winter den Rücken
Frisch Verliebte geben sich den ersten Kuss

Zugvögel fliegen in vertraute Heimat ein
Bauen sich ihre Nester an gewohnten Ort
Warteten längst auf warmen Sonnenschein
Nun endlich ist haarig, strenge Jahreszeit fort

Nahtlose Übergänge beschert uns die Natur
Pflanzen wachsen, zeigen sich in voller Blüte
Balzende Männchen bieten ihre beste Figur
Werben um Weibchens erwidernde Güte

Tage werden länger, Nächte deutlich milder
Neues Leben erblickt das Licht der Welt
Trollen sich, wachsen und werden wilder
Natürliche Erscheinung unterm Himmelszelt

Erkunden forsch dargebotenes Gebiet
Anfangs scheu, trotz alledem mit viel Elan
Erkennen langsam den feinen Unterschied
Fühlen dem Dasein bedingt auf den Zahn

Sommerliches Wetter reißt Organismen im Bann
Sternschnuppen ziehen im Mondschein vorbei
Sonnenwende kündigt zwangsläufig Wechsel an
Langsam nähert sich der Herbst mit Zauberei

Blätter welken, ändern sporadisch ihre Farbe
Allerlei Tiere suchen noch eifrig letzten Vorrat
Felder werden geerntet, erbringen ihre Gabe
Wind spürbar stärker, bringt Mühlen auf Draht

Nun reisen auch die letzten Störche gen Süden
Fliegen bis zu ihrer nahrhaften Zweitresidenz
Winterschläfer beginnen gemach zu ermüden
Warten abermals, auf leben erweckenden Lenz

Bäume stehen kahl, in einem weißen Kleid
Romantische Stimmung eisig wahrnehmbar
So schnell verrannte erneut geduldige Zeit
Egal, denn es war wirklich - ein gutes Jahr



...mfg cazz :rotier:

ps: WENN MAN EIN ZWEITE CHANCE IM LEBEN BEKOMMT, SOLLTE MAN IMMER DARAN DENKEN DAS MAN SEINE ERSTE BEREITS VERSAUT HAT!

idmud 22.03.2007 21:53

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
hätte nicht vielleicht jemand noch mal 'nen "erich fried" ?

GlitzerndesMeer 22.03.2007 22:00

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Bitte :)


WARUM

Nicht du
um der Liebe willen
sondern
um deinetwillen
die Liebe
(und auch
um meinetwillen)

Nicht
weil ich lieben
muß
sondern weil ich
dich
lieben
muß

Vielleicht
weil ich bin
wie ich bin
aber sicher
weil du
bist
wie du bist.

idmud 22.03.2007 22:02

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
DANKE, glitzer :\')

Laurel 22.03.2007 22:03

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Halten
das heißt
Nicht weiter - nicht näher - nicht einen Schritt
oder heißt Schritthalten
ein Versprechen - mein Wort
oder Rückschau

Halten
dich
mich zurück - den Atem an - mich an dich
dich fest
aber nicht
dir etwas vorenthalten

Halten
dich in den Armen
in Gedanken - im Traum - im Wachen
Dich hochhalten
gegen das Dunkel
des Abends - der Zeit - der Angst

Halten
dein Haar mit zwei Fingern
deine Schultern - dein Knie - deinen Fuß
Sonst nichts mehr halten
keinen Trumpf - keine Reden
keinen Stecken und Stab und keine Münze im Mund

GlitzerndesMeer 22.03.2007 22:10

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Boah Laurel :\')

Das lieb ich aber auch total :)

GlitzerndesMeer 22.03.2007 22:10

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
NUR NICHT

Das Leben wäre
vielleicht einfacher
wenn ich dich
gar nicht getroffen hätte

Weniger Trauer
jedes Mal
wenn wir uns trennen müssen
weniger Angst
vor der nächsten
und übernächsten Trennung

Und auch nicht soviel
von dieser machtlosen Sehnsucht
wenn du nicht da bist
die nur das Unmögliche will
und das sofort
im nächsten Augenblick
und die dann
weil es nicht sein kann
betroffen ist
und schwer atmet

Das Leben wäre vielleicht
einfacher
wenn ich dich
nicht getroffen hätte
es wäre nur nicht
meinn Leben.

idmud 22.03.2007 22:17

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
atemlos

Melilotti 23.03.2007 13:16

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe


Mein Lieblingsgedicht von Erich Fried :D

Geloe 23.03.2007 14:21

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Du mußt das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und laß dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken läßt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gerne gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.


Für mich eines der schönsten Gedichte von meinem Lieblingsdichter
Rainer Maria Rilke.

Amelie 23.03.2007 20:27

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Danke, Geloe. :) Ich mag dieses Gedicht auch sehr. Wie so viele von Rilke. :wub:
Hier noch eins - klein, aber sehr fein:

Weißt du, ich will mich schleichen
leise aus lautem Kreis,
wenn ich erst die bleichen
Sterne über den Eichen
blühen weiß.

Wege will ich erkiesen,
die selten wer betritt
in blassen Abendwiesen?
und keinen Traum, als diesen:
Du gehst mit.

Cazzquvoc 24.03.2007 02:07

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Großes Geheimnis


Es sitzt ein Knab am Bach
und sieht den Wellen nach.
Sie sprudeln und sie rauschen.
Er denkt: "Ich muß doch lauschen,
was all die Wellen plaudern!"
Und's Knäblein ohne Zaudern,
es bückt sich zu den Quellchen,
da kommt ganz fix ein Wellchen
gesprudelt und gerauscht -
was hat es da gelauscht!



Doch kann es nichts verstehen,
und eh es sich's versehen,
bückt es sich tiefer hin -
und liegt im Wasser drin.
Zum Glücke war der Bach
ganz hell und klar und flach,
schnell sprang der Knab heraus
und sah ganz lustig aus.



Und als ich ihn gefragt,
was ihm der Bach gesagt,
sprach er nach kurzem Zaudern:
"Ihr dürft es keinem plaudern!
Ein groß' Geheimnis ist,
was er mir sagte, wisst!
Er sagte, wisst ihr, was?
Das Wasser, das macht nass!









...eins meiner lieblingsgedichte @ Robert Reinick [1805 - 1852]




...mfg cazz :rotier:

Ramses 24.03.2007 10:33

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
@ cazz , das war gut ;)

Cazzquvoc 25.03.2007 06:13

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
jo find ick och ^^ ;)

sassi 26.03.2007 12:40

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 




Nebelschwaden

Nebulöse Nebelschwaden
nebeln nieder nadelfein

Kälte fährt in deine Glieder
überbringt den Totenschein

Stille sucht sich einen Partner
lädt sich ein zum Festbankett

wortlos zerrt sie, schnürt ein Mieder
packt dich leis ins Totenbett

Nebulöse Nebelschwaden
nebeln nieder nadelfein

niemals mehr auf deine Glieder
tanzen um den Totenschrein


Aus dem Buch Herzattacken von Hermann Jonas,das ich sehr empfehlen kann!

Laurel 30.03.2007 08:25

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Und noch eins von Erich Fried:

inschrift

sag
in was
schneide ich
deinen namen?

In den himmel?
der ist zu hoch.
in die wolken?
die sind zu flüchtig.

In den baum
der gefällt und verbrannt wird?
ins wasser
das alles fortschwemmt?

in die erde
die man zertritt
und in der nur
die toten liegen?

sag
in was
schneide ich
deinen namen?

in mich
und in mich
und immer tiefer
in mich.

no-body 01.04.2007 09:13

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
***Der ehrbarste Gedanke ist immer jener, der Freude in sich trägt.
Die klarsten Worte sind immer jene, die Wahrheit enthalten.
Das nobelste Gefühl ist jenes das wir Liebe nennen***
...Neale Donald Walsch

***Gott ist Schriftsteller, und wir sind sowohl die Helden, als auch die Leser***
...Isaac Bashevis Singer

***Es gibt Menschen, die einen Horizont mit dem Radius Null haben
und dies ihren Standpunkt nennen***
... Mathematiker Leonhard Euler

***Bisweilen, und dies sind die erstaunlichsten Augenblicke
in der Weltgeschichte, fällt der Faden des Schicksals
in die Hände eines völligen Niemand – doch nur für einen
zuckenden Augenblick***
...Stefan Zweig

**Die Begabung ist das Leben. Wir alle haben sie. Ob wir wollen oder nicht, unsere Gedanken, unser Tun und unser Handeln beeinflussen den Gang der Dinge. Heißt es nicht, das ein Flügelschlag eines Schmetterlings Tausend Kilometer entfernt einen Wirbelsturm auslösen kann?***
...Hugo Verlomme

***Wo die Liebe herrscht, da gibt es keinen Machtwillen,
und wo die Macht den Vorrang hat, da fehlt die Liebe.
Das einen ist der Schatten des anderen.
...C.G.Jung

***Wer sind wir?
Wir alle sind gleichwertige Wesen,
und das Universum besteht aus unseren gegenseitigen Beziehungen.
Das Universum ist aus einer einzigen Art von Wesenheiten gemacht:
JEDE IST LEBENDIG, jede bestimmt selbst den Lauf ihrer Existenz***
...Thaddeus Golas

..."Die Verantwortung jedes einzelnen betrachte ich als UNIVERSELLE Religion"...
***Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama

Laurel 11.04.2007 23:08

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
"Ich möchte werden wie die ganz Geheimen:
Nicht auf der Stirne die Gedanken denken, nur
eine Sehnsucht reichen in den Reimen, mit allen
Blicken nur ein leises Keimen, mit meinem
Schweigen nur ein Schauern schenken."
(Rainer Maria Rilke)

Easy 21.04.2007 12:46

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Ein Lächeln kostet nichts wirkt aber immer.
Es freut den, für den es bestimmt ist, ohne dass es den,
der es gewährt, ärmer macht.

Es dauert nur einen Moment,
aber die Erinnerung daran kann ewig sein.

Niemand ist so reich, um es missen zu können.
Es ist ein Zeichen der Freundschaft.

Ein Lächeln beruhigt, ermutigt den Entmutigten
und solltet Ihr manchmal Menschen begegnen
die Euch kein Lächeln schenken, das Ihr verdient,
seid großzügig und schenkt Ihnen Euer Lächeln,
denn niemand braucht ein Lächeln mehr,
als der jenige, der anderen keines schenken kann. "


Ramses 21.04.2007 13:08

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
@ easy, du hast damit soo recht

Geloe 23.04.2007 15:25

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
....und ich möchte Sie, so gut ich es kann,
bitten Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in
Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst
liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie
Bücher, die in einer fremden Sprache geschrieben
sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten,
die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie
nicht leben könnten. Und es handelt sich darum,
alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht
leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken,
eines fernen Tages in die Antwort hinein.


Rainer Maria Rilke

Filiala 24.04.2007 12:45

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt. (R.M.R)

idmud 24.04.2007 12:49

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
@fili: ist das aus "Der Tiger" von Rilke?

edit: na, inzwischen bin ich aufgeklärt worden, daß es sich um 'ne andere Katze handelt :oops: :mrgreen: :oops:

grenzwertig 24.04.2007 13:54

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
mein stubentiger sagt auch immer, das gedicht heisst eigentlich "der tiger" ;).

sassi 06.05.2007 16:02

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Zwischen Seele und Idee wächst die Frucht der Ironie


Ich glaube,
und ich glaube nicht.
Woran glaubst du?
Mit einem Messer zerhackt,
was mal ein Ganzes war
und deshalb fehlt die Kraft,
die Einigkeit im Leben schafft.
Der Anfang war im Griechenland,
beim Mann der Xanthippe,
ein düsteres Gerippe,
das Sokrates ins Denken stürzte,
mit Platon und dem Aris
toteles die Zeit verkürzte,
mit der die Welt gen Himmel trieb.
So kamen also Platon und der Aris',
sie waren das Messer der Erde!
Ob es den Menschen auch morgen noch gefährde?......
Salopp beredet alle Dinge,
mit gewisser Leichtigkeit,
die andern triebs zur Streitigkeit!
Gottes Geist der war für Platon wichtig,
für den Aris' leider nicht so richtig
und während Platon voller Ehrfurcht
göttliche Funken im Menschen besang,
war Aris' erfüllt
von materiellem, weltlichen Klang,
der bald zu Arianern drang.
Im Konzil von Konztantinopel,
da war es dann so weit,
entbrannt ein geistlich angeführter Streit.
Hier setzte das Messer an,
das Wunden in die Seel schnitt,
Seele und Idee zerspalt!
Drum ist das Morgenland doch sehr platonisch,
das Abendland siehts mehr ironisch,
es strebt stets voller Tatendrang,
als sei man Gott,
zu materiell, erfülltem Weltgesang.
Und diese Ironie besetzte Sicht,
Entbrannte dem Nietzsche mit einem Licht,
wodurch das Licht vom Gott erlosch,
drum suchen viele heut im Dunkel.
Und könnt man eine Brücke schlagen,
vom Osten in den Westen,
ginge es uns doch wohl am besten.
So gäb es Geist erfüllten Tatendrang,
Spirituell gesehen ein Frohgesang,
Es ist deshalb nicht zu verachten,
was Platon und der Aris,
vereint gesehen
dem Menschen brachten.
Und wurden auch die Arianer abgeschaft,
so haben sie der Welt
neue Qualitäten im Geist gebracht.


Doch gehen wir ein Stück zurück,
zurück ins alte Konstantinopel,
wo Geistige den Geist bestritten.
Was ist das für ein Priester,
der nicht an eig'nes Denken glaubt
sich seiner Vernunft beraubt.
Den Menschen als Objekt betrachten,
heißt den Menschen zu verachten.
Und sehr schnell wurde klar,
dass mehr in unsr'em Köpfchen war.
Es war die Kraft des Subjekts,
welches in der Welt,
auf den Kopfe jedes Objekt stellt.
So könnte man auch sagen:
Die alten Prister hatten Recht,
nur war's wohl nicht so recht, mehr schlecht!
Und so, mit neu gebor'nem Geist
war die Gotik schnell verschleißt,
was die Renaissance zur Blüte brachte.
Weil's in vielen Köpfen krachte.
Und dieses, vom Geist ersehnte Krachen,
Schuf in neuer Harmonie,
(das war was Neues, das gabs noch nie)
gemeint ist hier Technologie.
Durch diese neu gemachte Sache,
vertrieb man alten Schlick und Asche,
vertrieb die Inquisition,
und sprach in einem and'ren Ton.
Und vieles war ja auch schon klar,
was vorher bei den Moslems war.
Der Vatikan der hat sichs ausgeborgt
und damit nicht das Land versorgt.
NEIN! Vorm Volk versteckte er's im Keller,
und aß beruhigt von vollem Teller.
Und auf jenem Blumenbeet,
wuchs der dicke Baum,
auf dem die heutige Gesellschaft steht.


Könnt ihr euch da noch wundern?!,
wenn wir uns heute nur beschweren.
Der Ursprung konnt uns dies erklären.
Schon Früh war Mamon der Gott der Kirche.
Und heute ist er unser Gott.
Doch was wirklich in der Bibel steht,
Ist Anfang der Moralität.
Und auch schon Moses sagte,
wir soll'n uns keine Götzen schaffen,
die gierig jedes Volk zerklaffen.
Erst kam die kleine goldne Kuh,
und schnürte schnell das Denken zu.
Das selbe ist's heut mit dem Mamon,
der Wunsch nach immer mehr davon....,
was manchem aus der Tasche ronn.
In großen Tonnenschweren Schränken,
scheinbar ohne nachzudenken,
wird Mamons (Segen?) eingesperrt.
Und was der Eine hat zuviel,
versperrt vom anderen das Ziel.
Drum greif genügsam nach der Fibel,
lese fleißig in der Bibel,
und halte dich vom Mamon fern.
Dann bist du wohl ein bessrer Mensch,
Als der starke Firmenboss,
der mit Geld die Welt verschloss.
Und kann er sein ganzes Leben lang ruhen,
verliert er an Boden unter den Schuhen.
Drum greife maßvoll nach den Dingen,
damit auch Morgen Vöglein singen.
Wohl ist man ohne Geld nicht glücklich,
doch häufen brauch man es ja nicht.
Denn Berge angehäuft aus Scheinen,
zerstören schnell den blitzenden kleinen,
göttlichen Funken in dir.

idmud 14.05.2007 13:36

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Inspiriert vom "beste-Filme-Thread":

Oh Captain, mein Captain,
die schwere Fahrt ist aus
das Schiff hat jedem Sturm getrotzt
nun kehren wir stolz nach Haus
der Hafen grüßt mit Glockenschall
und tausend Freudenschreien
vor aller Augen rauschen wir auf sicherem Kiel herein
aber Herz ach Herz ach Tropfen blutig rot
wo auf dem Deck mein Captain liegt
gefallen, kalt und tot.

Oh Captain, mein Captain
steh auf und hör den Schall
steh auf, Dir gilt der Flaggengruß
dir gilt das Jauchzen all
die Sträuße dir, die Kränze dir
und weit entlang am Strand
das Menschenmeer, das Gesichtermeer,
dir freudig zugewandt
hier Captain, liebster Vater,
hier ist mein Arm als Halt
es ist nur Traum, dass du hier liegst,
gefallen tot und kalt.

Mein Captain gibt nicht Antwort,
seine Lippen sind bleich und still,
mein Vater fühlt nicht meinen Arm,
hat nicht mehr Kraft noch Will.
das Schiff liegt heil vor Anker nun,
die Reise ist nun aus.
von schwerer Fahrt, das Siegerschiff
kam vom Triumph nach Haus
jauchzet ihr Gestade, Glocken dröhnt
ich aber knie in Not,
wo auf dem Deck mein Captain liegt,
gefallen, kalt und tot.

Walt Whitman
(Abraham Lincoln, 12.02.1809 - 15.04.1865)


Oh Captain! My Captain!
O Captain! my Captain! our fearful trip is done,
The ship has weather’d every rack, the prize we sought is won,
The port is near, the bells I hear, the people all exulting,
While follow eyes the steady keel, the vessel grim and daring;
But O heart! heart! heart!
O the bleeding drops of red!
Where on the deck my Captain lies,
Fallen cold and dead.

O Captain! my Captain! rise up and hear the bells;
Rise up– for you the flag is flung– for you the bugle trills,
For you bouquets and ribbon’d wreaths– for you the shores crowding,
For you they call, the swaying mass, their eager faces turning;
Here, Captain! dear father!
This arm beneath your head!
It is some dream that on the deck
You’ve fallen cold and dead.

My Captain does not answer, his lips are pale and still,
My father does not feel my arm, he has no pulse nor will;
The ship is anchor’d safe and sound, its voyage closed and done,
From fearful trip the victor ship comes in with object won;
Exult, O shores! and ring, O bells!
But I, with mournful tread,
Walk the deck my Captain lies,
Fallen cold and dead.

GlitzerndesMeer 14.05.2007 14:32

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
DAS ist das Gedicht ?!?!?! Jetzt kenn ich das endlich auch. :)

Danke idmud http://www.mysmilie.de/smilies/lieb/3.gif

sassi 24.07.2007 15:56

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 

Aufrichtigkeit

Du sehnst Dich danach, der Letzte zu sein,
das brachte mich ins Grübeln –
das diese Sehnsucht in Dir brennt,
kann ich Dir nicht verübeln.
Auch ich mache mir
- genauso wie Du -
unglaublich viele Gedanken,
über meine Gefühle zu Dir,
die auf- und niederschwanken.

Du hast mich erobert, ich wollt‘ mich nicht wehren
bist sanft in mein Herz eingedrungen –
mein Innerstes nach außen zu kehren
ist Dir wahrhaft rasch gelungen.
Du hast mich erobert,
mein Herz, mein Vertrauen –
darum laß uns nicht in die Zukunft schauen.

Ich möchte Dich lieben heute und jetzt...
ohne an morgen zu denken
den Moment genießen und mich uneingeschränkt
einfach an Dich verschenken.
Und wenn wir miteinander dieses Glück erleben
ein Feuerwerk daraus zünden
sollte es keine Versprechen geben
das „Später“ wird sich schon finden.

Ich denke, wir werden uns einfach ERLEBEN
das Wunderbare nehmen, wie es jetzt ist–
doch werde ich Dir nicht das Versprechen geben -
das Du der Letzte für mich bist....

Laurel 03.08.2007 07:42

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Ich weiß, dass man die totale Freiheit nie kriegen kann, weil man immer durch irgendwas eingeschränkt ist. Aber es ist schon mein Ideal, irgendwann glücklich und frei leben zu können. Es gibt Kraft, wenn man wenigstes so nah wie möglich an das Ideal heran kommt.






Robert Stadlober

Vetti 03.08.2007 10:20

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Es gibt Momente im Leben, da steht die Welt für einen still.
Und wenn sie sich weiterdreht, ist nichts mehr wie es war.

Es weht der Wind ein Blatt vom Baum,
von vielen Blättern eines.
Das eine Blatt, man merkt es kaum,
denn eines ist ja keines.
Doch dieses eine Blatt allein,
war Teil von unserem Leben.
drum wird dies eine Blatt allein,
uns immer wieder fehlen.

idmud 05.08.2007 00:47

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
A Dream Deferred

by Langston Hughes

What happens to a dream deferred?

Does it dry up
like a raisin in the sun?
Or fester like a sore--
And then run?

Does it stink like rotten meat?
Or crust and sugar over--
like a syrupy sweet?

Maybe it just sags
like a heavy load.

Or does it explode?

idmud 26.08.2007 23:20

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Kleines Beispiel

Auch ungelebtes Leben
geht zu Ende
zwar vielleicht langsamer
wie eine Batterie
in einer Taschenlampe
die keiner benutzt


Aber das hilft nicht viel:
Wenn man
(sagen wir einmal)
diese Taschenlampe
nach so- und sovielen Jahren
anknipsen will
kommt kein Atemzug Licht mehr heraus
und wenn du sie aufmachst
findest du nur deine Knochen
und falls du Pech hast
auch diese
schon ganz zerfressen


Da hättest du
genau so gut
leuchten können


Erich Fried

GlitzerndesMeer 26.08.2007 23:22

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
:)

Da hast jetzt aber was geschafft @ idmud ... ein Fried, den ich tatsächlich nicht kannte ... ein Wahnsinnsgedicht (wie die meisten von ihm) :cry:

Georgy Drachenköter 27.08.2007 13:36

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Das Gedicht ist wriklich gut. :\')

*versucht-den-Anknopf-zu-finden*LEUCHT* :happy:

Goldenes Land 29.08.2007 19:34

AW: Gedichte, Aphorismen, Geschichten
 
Der Ritter

Blick zum Himmel
Vogelmeer
Schwarzes Flattern
Immermehr
Durch den dunklen
Wolkensand
Liegt aufgeregt am
Daunenstrand
Der Wellen Gischt
Benommen weit
Dein blauer Kiesel
Hat noch Zeit
Den Wind geboren
Im Gewitter
Muss mich beeilen
Silberritter
Ein Lächeln strahlt
Im Meerestraum
Säumt der Rüstung
Federflaum
In dunklen Wäldern
Jammertal
Zu goldnen Gipfeln
Aufstiegsqual
Im tiefen Schneefall
Durch die Nacht
Und rot der nächste
Tag erwacht
Durch Dämmerlicht
Im Fackelschein
Treu geschworener
Ritter dein
Galoppierend Ross
Zum Ziel
Dein müder Traum
Im Reiterspiel
Der Strand erreicht
Und da für dich
Denn dieser Ritter
Das bin ich



Ithaqua

Meine Wanderungen ermüden mich
Tausende Steine mit diesem massiv genommen
Aufs neue
Frage ich mich
Wann wird dieser Himmel enden?
Wolkenbezogen mit Licht
Sprengend die Decke in jedem Augenblick
Schillernd bis hin zum Horizont
Und doch erscheine ich so klein
Der Wanderer auf dem Plateau
Basaltsäulen zieren und stützen
Das, was für die Ewigkeit

Schnee fällt, es wird Abend
Ein Feuer soll mir heut genügen
Funken prasselnd steigen auf
Den Herrn Mond zu begrüßen
Denn niemand wird es sonst tun
Mein Zelt bestickt mit Sternen
Blinkend, in Bewegung
Und nichts dem Zufall überlassen
Schlafe ich ein, zu träumen
Keinen Traum der so eigen
Wie das Wandern in diesen Bergen

Anhöhen erheben sich
Klippen steil den See umschließen
Kristallklar und in schönster Ruhe
Liegt er da, wartend auf das Eis
Schiefer zieht sich überall
Über Ebenen aus Stein
Und weiter geht die Wanderung
Durch weißer werdendes Schwarz

Die Füße werden schwerer
Langsam schlägt das Menschsein durch
Wieder breche ich zusammen
Ithaqua trägt mich zurück
Erneut soll dies mein Ende sein
Und wandern werde ich
Bis der Morgen erreicht


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