Herbert Grönemeyer Forum

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Traumtaenzer 08.08.2003 22:25

Manche Menschen wissen nicht,
wie wichtig es ist, dass sie da sind.

Manche Menschen wissen nicht,
wie gut es tut, sie nur zu sehen.

Manche Menschen wissen nicht,
wie tröstlich ihr gütiges Lächeln wirkt.

Manche Menschen wissen nicht,
wie wohltuend ihre nähe ist.

Manche Menschen wissen nicht,
wie viel ärmer wir ohne sie wären.

Manche Menschen wissen nicht,
dass sie ein Geschenk des Himmels sind.

Sie wüßten es,
würden wir es ihnen viel öfter sagen.

(Paul Celan)

Claudia69 08.08.2003 23:12

Als der Tag begann,
jung und feucht,
und der silberne Tau auf allen Blüten glänzte,
schenktest du mir dein Lachen,
deiner Liebe gabst du meinen Namen,
und deine Hände küßten meine Hände.

Und als der Mittag kam
und die Luft weiß flimmerte
und die Sonne sich selbst verbrannte,
berührten mich deine heissen Lippen.
Deine Haut verschmolz mit meiner Haut,
und deine Hände küßten meinen Mund.

Und als der Abend fiel
und die Tiere auf den Feldern
sich fürchteten und brüllten,
blickten deine Augen an mir vorbei,
traurig und fern.
Und deine Hände zitterten auf meinem Leib.

In der Nacht aber,
als sich deine Hände von meinem Körper lösten
und du mich mit deinem Abschied begrubst,
da stieg der Fluß über die Ufer,
und alle Wasser überfluteten die Erde.

Seitdem weint meine Seele Blut
unter dem schwarzen Mond.

Christiane Schütze

Claudia69 08.08.2003 23:46

gesetzt den fall, du kannst nicht schlafen
weil regen klatscht ans fensterglas
oder der sturm an türen rüttelt
oder du hörst schritte im gras

komm dann zu mir, um dich zu wärmen
ich mach ein zimmer für dich klar
ich werd dich wiegen in meinen armen
und dir streicheln übers haar

es wird schonmal an dunklen tagen
das leben unerträglich schwer
zuweilen kann man sich schon fragen
ob man lieber nicht geboren wär

komm dann zu mir, um dich zu wärmen
ich mach ein zimmer für dich klar
ich werd dich wiegen in meinen armen
und dir streicheln übers haar

sag doch nie: ich will nicht mehr leben
wem dient es, wenn man einfach geht
du hast mir dieses lied gegeben
du, die es nur zu gut versteht

komm dann zu mir, um dich zu wärmen
ich mach ein zimmer für dich klar
ich werd dich wiegen in meinen armen
und dir streicheln übers haar

wenn mein gesang nicht mehr gehört wird
weil er kaum einem etwas sagt
gesetzt den fall, ich kann nicht schlafen
von tausend ängsten dann geplagt

komm ich zu dir, um mich zu wärmen
mach dann ein zimmer für mich klar
wieg mich in deinen armen
streichel mir übers haar

herman van veen

junimond 14.08.2003 11:28

die liebe reißt die masken ab, von denen wir fürchten, dass wir ohne sie nicht leben können, und von denen wir wissen, dass wir mit ihnen nicht leben können.

j.baldwin

[und
daher
nun
die
frage:]

wie kannst du leben, wenn du nicht lieben kannst? und wie kannst du leben, w e n n du liebst?

Henner 14.08.2003 12:54

Was wäre bei mir mit 20, 30 Jahren anders gelaufen,
wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß?
Ich hätte erstens mehr gelacht und mir weniger Sorgen gemacht.
Ich hätte früher verstanden, dass nicht jeder Verlust endgültig ist
und dass manches Verlorene das Aufheben nicht gelohnt hätte.
Ich hätte mit mehr Muße den Wechsel der Jahreszeiten beobachtet.

Ich wäre mutiger gewesen, im Sinn von beherzt,
denn "der wahre Mut", sagt die Schriftstellerin Eudora Welty,
"beginnt im Innern".
Ich hätte früher verstanden, welche Befriedigung man in den
kleinen Dingen des Alltags finden kann: die heiße Tasse Kaffee
am Morgen; der Sohn, der mir aus seinem Zimmer "Gute Nacht!" zuruft;
der Anblick des rotgetigerten Katers, der in einem Fleckchen Sonnenschein
sein Nickerchen macht.

Alice Steinbach

grenzwertig 14.08.2003 22:18

ja sie wüssten es, würden wir es ihnen viel öfter sagen :)
doch.rotgetigerte kater z.b. weiss ich sehr zu schätzen :)

und nu mal was bayerisches ;-) :

zwischen uns zwoa

du schaugst mi o
und du sigst was in mir
was i ned sein mag

i red den ganzen tag
nix mit dir
aber du
verstehst alles was i ned sag

wenn ma mia
beieinanderliegn
dann steht gwiess
koa wand
zwischn uns zwoa

höchstens a spiagl

(harald grill)

grenzwertig 14.08.2003 22:43

und des meeres wegenwiedermal ;-) :

ich möchte leuchtturm sein
- in nacht und wind
für dorsch und stint,
für jedes boot-
und bin doch selbst
ein schiff in not.

(wolfgang borchert)

Danyflower 14.08.2003 23:51

Hmmm, also gut... Mal schauen, was mir so einfällt...

There are things in life you can't describe... you can only live them


Ich bin kein Dichter,
doch es würde eines Dichters bedürfen
um auszudrücken
was ich für dich
empfinde.

N. Sparks

Mein Leben war voll von Katastrophen, die niemals passiert sind

pianofreak 15.08.2003 01:23

Seit ich Musik höre, weiß ich, daß ich unsterblich bin. Wieso? Musik ist die Sprache der Seele. Und die wird man nie müde.

Peter Hille, dt. Dichter

Ein Jnani (einer, der Gott kennt) und ein Premikä (einer, der Gott liebt) wanderten durch einen Wald. Plötzlich tauchte ein Tiger auf. Der, der Gott liebt, wollte fliehen, aber der andere hielt ihn zurück: "Ich kenne Gott", sagte er, "und ich weiß, dass er uns beschützen wird!" Da erwiderte der erste: "Ich kenne zwar Gott nicht so gut wie du, aber ich liebe ihn. Deswegen will ich es ihm leichter machen, mir zu helfen."

pianofreak 16.08.2003 01:14

In der Brandung ein klarer Stein,
erhoeht, von Gischt umschaeumt und maechtig.
Die Wellen umspuelen ihn, schmeicheln und beruehren ihn.
Nehmen den Stein in unendlich kleinen Teilchen in sich auf,
ohne klein zu machen, was gross an ihm ist.
Liebend streckt er sich dem Wasser entgegen, still und ruhig,
wenn hoch die Wellen oder brennende Sonne ihn zu ueberspuelen und
verbrennen drohen.
Gelassen und kraftvoll steht er und erzaehlt die immer gleiche
Geschichte von Liebe und Sehnsucht.
Sehnsucht nach Versoehnung.
Kraft erwachsen aus dem ersten Gestein.
Zusammengeschmolzen aus tausend kleinen Sternen und ehern,
allem zu trotzen, was sich ihm entgegenstellt.
Finde den Stein und tauch dort deine Haende in das Wasser, aus dem du
gekommen.
Beruehre die Stille.
Hoere auf sie.
Denn der Stein singt das Lied mit immer gleicher Melodie,
das Lied der Liebe.

(aus: http://home.t-online.de/home/06387925028/taize.htm )

junimond 25.08.2003 13:55

bevor ich sterbe

noch einmal sprechen
von der wärme des lebens
damit noch einige wissen:
es ist nicht warm
aber es könnte warm sein

bevor ich sterbe
noch einmal sprechen
von liebe
damit noch einige sagen:
das gab es
das muss es geben

noch einmal sprechen
vom glück der hoffnung auf glück
damit noch einige fragen:
was war das
wann kommt es wieder?

erich fried

junimond 25.08.2003 13:59

irrtum

wer seine angst anstarrt
ohne sich abzuwenden
von dem heißt es:
"sein mut
muss besonders
groß sein"

aber nicht
sein mut
muss so groß sein
nur die angst
die sein auge
nicht loslässt

erich fried

junimond 25.08.2003 14:04

wohin?

zur liebe
aber die liebe
führt zum grübeln

zum grübeln?
aber das grübeln
führt zur trauer

zur trauer?
aber die trauer
führt zum mitleid

zum mitleid?
aber das mitleid
führt zur verzweiflung

zur verzweiflung?
aber verzweiflung
führt zu den fragen

zu den fragen?
aber die fragen
führen zu antworten

zu antworten?
aber die antworten
führen zur auflehnung

zur auflehnung?
aber die auflehnung
führt zum tod

also zum tod?
aber ohne die auflehnung
ohne das mitleid
ohne die liebe
was wäre das leben?

e.f.

junimond 25.08.2003 14:08

die drei steine

"wie lange kann ich noch leben
wenn mir die hoffnung
verlorengeht?"
frage ich die drei steine

der erste stein sagt:
"soviel minuten du
deinen atem anhalten kannst unter wasser
noch soviel jahre"

der zweite stein sagt:
"ohne hoffnung kannst du noch leben
solange du ohne hoffnung
noch leben willst"

der dritte stein lacht:
"das hängt davon ab was du
noch leben nennst
wenn deine hoffnung tot ist"

e.f.

GlitzerndesMeer 26.08.2003 09:47

Zitat:

Niemand lernt jemals jemanden kennen. Wir sind alle zu lebenslänglicher Einzelhaft in unserer Haut verurteilt.
So kommt's mir oft vor. :cry:

junimond 02.09.2003 10:46

träume

träume verweh'n,
wenn sie nicht wissen,
wo sie schlafen soll'n.
und bevor der tag kommt,
zieh'n sie mit dem wind davon.

die welten dreh'n.
wer von uns weiß,
wer seine freunde sind?
wenn ein neuer tag kommt,
seh'n wir alle anders aus.

die zeit vergeht,
und so viel bleibt im straßenstaub,
wird uns fremd wie ein bild von daheim.
alles längst verschwunden,
alles überwunden,
und doch war da viel mehr
als ein spiel.

träume erfrier'n,
wenn niemand da ist,
der sie träumen will.
und bevor der tag kommt,
sind sie mit der nacht davon.

jetzt steh'n wir hier.
wer von uns weiß,
welchen weg er geht?
wenn ein neuer tag kommt,
ist nichts, wie es einmal war.

rio reiser.

junimond 05.09.2003 09:42

hat er also recht behalten, fragt sie sich, wenn er immer sagte: heutzutage ist liebe nicht möglich. keine freundschaft, keine hoffnung auf erfüllung. lächerlich, gegen die kräfte anzugehen, die zwischen uns und unseren wünschen stehen. ihre allmacht können wir uns nicht einmal vorstellen. gelingt uns die liebe trotzdem, dir und mir, dann müssen wir ganz stillhalten. dann müssen wir immer an das trotzdem denken. das schicksal ist neidisch.

[...]

du kennst das leben nicht. aber er kannte es, meinte er. er wusste, dass man eine schutzfarbe annehmen musste, um nicht erkannt und vernichtet zu werden. er wusste es, und das machte ihn einsam, auch hochmütig. manchmal bitter. ich dagegen hab nie angst gehabt, mich selbst zu verlieren.

~ __ ~ __ ~ __ ~

(sie spricht von einer ungünstigen zeit, in die sie hineingeboren worden sind. ist sicher auch dieser gedanke an ein "ungünstiges land"..
frag mich, ob diese zeit soviel günstiger ist, dieses land.
ihr euch auch?)
noch teilen die beiden denselben himmel..- ungeteilt.
(mich bedrückt, dass in den schönsten beschreibungen ihrer zweisamkeit der verlust so spürbar ist, erschreckend spürbar. dass es nicht von dauer ist..- man kann sich daran,..(auch an diesen wundervollen worten, die sie findet) einfach nicht erfreuen..~

grenzwertig 05.09.2003 22:48

...

silentium

schweige, verbirg dich und halte deine gefühle und träume geheim, lass sie in der tiefe deiner seele, lautlos auf- und untergehen wie sterne in der nacht; erfreue dich an ihnen -und schweige.
wie soll das herz sich offenbaren ? wie soll ein anderer dich verstehen ? begreift er, wodurch du lebst ? ein ausgesprochener gedanke ist eine lüge.wenn du die quellen aufwühlst, trübst du sie; zehre von ihnen - und schweige.
verstehe, nur in dir selbst zu leben:es gibt in deiner seele eine ganze welt geheimnisvoll-zauberhafter gedanken; sie betäubt der äussere lärm, die strahlen des tagesd vertreiben sie; lausche ihrem gesang - und schweige ! ...

(r. pollach - deutsche fassung)


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maritim wieder: :wink:

möwen

ich weiss nicht, wo die möwen die nester haben.
ich bin wie sie,
ewig im flug.
das leben streife ich wie sie.
das wasser, die nahrung zu greifen.
und wie sie, vielleicht, liebe ich die ruhe,
die meerene ruhe,
aber mein schicksal ist
leben taumelnd im sturm.

(vincenzo cardelli)

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frage eines lesenden arbeiters

wer baute das siebentorige theben ?
in den büchern stehen die namen von königen.
haben die könige die felsbrocken herbeigeschleppt ?
und das mehrmals zerstörte babylon-
wer baute es so viele male auf ? in welchen häusern des goldstrahlenden lima wohnten die bauleute ?
wohin gingen an dem abend, wo die chinesische mauer fertig war, die maurer ? das grosse rom ist voll von triumphbögen.wer errichtete sie ? über wen triumphierten die cäsaren? hatte das vielbesungene byzanz nur paläste für seine bewohner? selbst in dem sagenhaften atlantis brüllten in der nacht, wo das meer es verschlang, die ersaufenden nach ihren sklaven.

der junge alexander eroberte indien.er allein? cäsar schlug die gallier. hatte er nicht wenigstens einen koch bei sich ? philipp von spanien weinte, als seine flotte untergegangen war. weinte sonst niemand ?`friedrich der zweite siegte im siebenjährigen krieg. wer siegte ausser ihm ?

jede seite ein sieg.wer kochte den siegesschmaus? alle zehn jahre ein grosser mann. wer bezahlte die spesen?

so viele berichte.
so viele fragen.

(brecht)

..und noch paar fragen hat er vergessen.. :wink: ..typisch..

Zaubermaus 08.09.2003 20:51

Gib Dir selber einen Tritt,
fange an zu fliegen.
Denn durch diesen großen Schritt,
am Ende Du kannst vielleicht siegen.

@Luxus, wie wahr, wenn es nur auch immer so einfach wäre, wie es klingt...wir sind alle Engel mit einem Flügel, wir müssen uns umarmen, um fliegen zu können

Commodus 10.09.2003 17:15

How can I keep stability on such shaky grounds?

Ist zwar englisch, aber ich übersetze bei Bedarf gerne. Ist schon komisch, wenn man merkt, das einem langsam alles über den Kopf wächst.


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 13:15 Uhr.

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