Thema: Tour 2015
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Alt 15.01.2016, 00:47   #348
JJ
Darum öffnet Eure Pforten
 
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JJ ist ein wunderbarer AnblickJJ ist ein wunderbarer AnblickJJ ist ein wunderbarer AnblickJJ ist ein wunderbarer AnblickJJ ist ein wunderbarer AnblickJJ ist ein wunderbarer AnblickJJ ist ein wunderbarer Anblick
AW: Tour 2015

Erstmals seit Monaten habe ich ohne allzu großen Zeitdruck im Nacken Gelegenheit, hier etwas zu schreiben, und da meine Berichte über Braunschweig, Hofgeismar, Rostock und die beiden Bochums noch warten können, schreibe ich zunächst etwas zum Gesamteindruck der Tour.

Nachdem ich 2011 14 (ursprünglich geplant: 14) und im Sommer 2012 10 Konzerte (ursprünglich geplant: nicht mehr als 7) besucht hatte, hatte ich letztes Jahr um die 8 bis 10 Konzerte in die engere Auswahl genommen, ein paar wieder aussortiert und andere reingenommen und mich ganz am Ende für 12 entschieden; durch die sehr positive Erfahrung der Schiffsverkehr-Tour war ich auch sehr guter Dinge, dass die Tour fantastisch werden müsste (und durch die Blick zurück-Tour sollte es theoretisch auch nicht an möglichen Sonderzugaben mangeln, die hätte man dann zwar überwiegend schon gehört, aber zumindest schien es sehr denkbar, dass jeden Abend was anderes, oft auch ungeprobtes aus dem Hut gezaubert wird.

Für mich beginnt eine Tour darüber hinaus erst dann richtig interessant zu werden, wenn die äußeren Umstände es ein Stück weit in sich haben und einiges an Improvisation erfordern, insofern fand ich es gut getimed, als bei mir im Februar eine erhebliche Blutdruckdifferenz festgestellt wurde (es geht hier zwar die wenigsten etwas an, aber falls jemand ein paar Zahlen zum orientieren braucht: 160/100 auf der linken Seite und 210/115 rechts soll wohl bedenklich hoch sein; bringt einen auf der Terminwarteliste mancher Internisten aber auch nicht weiter nach vorne), wegen derer mir einiges empfohlen wurde, darunter Vermeidung von Anstrengung und Stress und so, und noch erfreuter war ich, als sich eine Serie von Lokführerstreiks ankündigte (ich bin die letzten 3 Jahre sehr oft weite Strecken Zug gefahren und durfte dabei feststellen, dass im Streikfall die wichtigen Linien noch sporadisch bedient werden, es keine Zugbindung mehr gibt und man Verspätung erstattet bekommt und darüber hinaus die wenigen Züge, die fahren, so gut wie leer sind, weil ein Großteil der Reisenden im Vorfeld aufgibt). Leider wurden die Streiks relativ zeitnah zum Tourbeginn abgebrochen (ich hatte ehrlich gehofft, dass Herr Weselsky ein ebenbürtiger Gegner ist, der sich (so mutmaße ich) für den traurigen Umstand, dass seine Sprachbehinderung nur als Dialekt anerkannt wird, nicht nur an mir, sondern auch an allen anderen, die nichts dafür können, rächt, aber da habe ich ihn wohl ein ganzes Stück überschätzt), was zur Folge hatte, dass mir über den Daumen ca. 50 bis 80 € an Verspätungserstattung verloren gingen, mit denen ich sicher gerechnet hatte. Dass ich dann am Tag nach dem Konzert in Chemnitz erfuhr, dass sich meine monatliche Stundenzahl fortan im gegenseitigen Einvernehmen (an dem ich unbeteiligt war), etwa halbieren würde, rundete das ganze wenigstens insgesamt ab.

Und schon bin ich mittendrin in der Tour. In Chemnitz war ich der Meinung, einen Tourstart sondergleichen erlebt zu haben, an der SIchtweise hat sich bis heute nichts geändert (sofern ich nur das reine Konzert betrachte und nicht die Stadt, das Bundesland sowie einige Gestalten, die sich berufen fühlten, an meinem Leben teilzunehmen (dabei handelte es sich um ein ähnliches beidseitiges Einvernehmen wie mit der Stundenreduzierung)).

In Hamburg (das ich eigentlich nicht besuchen wollte, weil es lange ausverkauft war und gewisse wirklich beidseitige Differenzen zwischen mir und Bediensteten der damaligen O2-World bestehen, aber dann hat sichs kurzfristig doch ergeben, dass ich nicht nur von draußen zuhörte) fand nicht nur ich die Zeit gekommen für eine Programmerweiterung, aber leider zeichnete sich spätestens dann ab, dass die vergangene Tour anders werden sollte als man es von früher kannte. Ich will jetzt nicht wiederholen, was andere und auch ich schon reichlich geschrieben haben, ich denke, vor allem, was den ersten Tourteil in den Hallen angeht, das Wort druchgestyled fasst es am besten zusammen. Von den fehlenden Zugaben mal ganz zu schweigen, war wirklich alles haarklein identisch durchchoreographiert, jeder Anflug von Spontaneität wurde im Keim erstickt; in Spielstätten, wo früher aus Platzgründen ein Steg fehlte und Leb in meiner Welt oder später Stück vom Himmel, Deine Zeit/Zu Dir und Glück am Keyboard gespielt wurden, wurde auf Teufelkommraus das Zauberklavier hingestellt (das ich an dieser Stelle so nenne, weil es sowohl Klavierklang als auch "Der Weg-Geklimper" draufhat, was aber der pathetischen Inszenierung kaum einen Abbruch zu tun schien), damit sich auch ja nichts unterscheidet.

Im Laufe der Tour fiel mir ein Vergleich ein, den ich hier offenbar noch nirgends aufgeschrieben habe: Vielleicht hat manch einer mitbekommen, dass Biene Maja und später auch Wickie als Serien neu aufgelegt wurden. Da die Zeichentrickserien aus den 70ern nicht mehr zeitgemäß erscheinen, wurden beide 3D-animiert, die einzelnen Folgen sind nur noch halb so lang wie früher und - was insbesondere an Biene Maja auffällt - die Figuren wurden deutlich verschlankt. Das weiß ich nicht deshalb, weil ich mir den Scheiß anschaue, sondern weil ich die Begründung für all das an einer Stelle gelesen habe (mit Anschauungsbild): Man hat sich an den Sehgewohnheiten der Kinder orientiert und die Serien daran angepasst. Ob ernsthaft empirische Erhebungen durchgeführt wurden, was Kinder sehen wollen, bzw. zu sehen gewohnt sind, wage ich ernsthaft zu bezweifeln; ich nehme eher an, dass der allgemeine 3D-Animationshype (manche von den groß aufgebauschten Filmen sind ja auch gar nicht mal schlecht) dazu geführt hat, dass niemand mehr, der neu anfängt, Zeichentrickfilme/serien produziert und dadurch dann auf den Zug aufgesprungen wird...zurück zur Tour: Bei mir ist phasenweise der Eindruck entstanden (vor allem während des Konzertabschlusses mit Remix, Discokugel und Konfetti), dass sich an den Konzertgewohnheiten von Helene Fischer-Fans orientiert wurde und insofern passt man sich halt dem ganzen an (ich habe nebenbei bemerkt nie ein Konzert von Helene Fischer o.ä. besucht und habe es auch nicht vor, aber in meiner Vorstellung davon geht es über ein Zweistundenhoopieshnoopiespektakel mit Discokugel, Feuerbällen, Tänzerschwadronen und Liveprojizierung auf den Mond kaum hinaus.

Oh, ich merke gerade, dass die per se nicht begrenzte Zeit mir heute knapp wird, ich setze demnächst fort.
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Auch wenn Du mich verklagst
und Du schwörst, dass Du mich magst,
ist mir alles so egal
.

Ob Du fauchst oder ob Du beißt,
mich verwirrt nennst oder unreif,
Rache schwörst zum jüngsten Tag.

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